1. Meinung

Maximaler Druck

Maximaler Druck

Dass sich die Führung des Iran gestern "sehr optimistisch" zeigte, was den dreitägigen Besuch der IAEA-Inspektoren im Land angeht, sollte den Westen argwöhnisch machen. Denn im Prinzip kann dies nur eines bedeuten: Teheran rechnet zumindest auf dieser Ebene damit, dass es auch weiterhin jenes bewährte Spiel auf Zeit fortsetzen kann, das es den Mullahs erlaubt hat, zu erheblichen Fortschritten in dem so umstrittenen Nuklearprogramm zu kommen.

Auf einem ganz anderen Blatt steht jedoch, welche langfristige Wirkung die EU-Sanktionen entfalten werden, die dem Iran offensichtlich jede Menge Kopfschmerzen bereiten. Bisher hatte Teheran mit den UN-Strafmaßnahmen recht gut leben können, da diese jede Menge Schlupflöcher - auch dank Rückendeckung der Russen und Chinesen - offen ließen. Doch mit den Beschlüssen in Brüssel geht es für den Iran nun wirklich ans Eingemachte.
Die von dort zu hörenden Drohungen, als Vergeltung die Lieferungen nach Europa einzuschränken oder ganz zu stoppen und den Ölpreis weltweit auf bis zu 150 Dollar pro Barrel hochzutreiben, sollte man zunächst einmal gelassen betrachten. Auch diese Aussagen gehören zum bekannten Säbelrasseln eines Regimes, dem die eigene Isolation immer bewusster zu werden scheint. Gleichzeitig steht mit Saudi-Arabien, das Teheran nicht gerade wohl gesinnt ist, ein potenter Öllieferant bereit, um in die Bresche zu springen. Zuviel Schwarzmalerei ist also nicht angebracht.
Hinzu kommt, dass Washington gleichzeitig auch die militärische Druckkulisse erhöht. Mit der Verlegung einer schwimmenden Militärbasis für Spezialeinheiten in den Persischen Golf macht Barack Obama deutlich, dass er sich - wie in seiner jüngsten Rede angedeutet - weiter alle Optionen offenhält.
Unterm Strich heißt das: Der Iran sieht sich derzeit nahezu maximalem Druck ausgesetzt. Deshalb wird in diesem Jahr gut ablesbar sein, ob eine gewaltfreie Lösung der Bedrohungslage tatsächlich realistisch ist.
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