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Meinung: Mehr davon, bitte!

Meinung : Mehr davon, bitte!

Das Verbot der Glühbirne durch die EU und anderer Energieschleudern lässt sich gut begründen

Europafeinde und Populisten nutzen das Verbot von Glühbirnen und anderen Energieschleudern gern, um Stimmung gegen Brüssel zu machen. Dabei unterschlagen sie regelmäßig, dass Vorschriften zum sogenannten Ökodesign erst dann in Kraft treten können, wenn sowohl die Regierungen der Mitgliedstaaten ihnen zugestimmt haben als auch das Europaparlament. Die Brüsseler Bürokraten, wie die Kommissionsbeamten gern beschimpft werden, haben lediglich den Vorschlag gemacht. Von EU-Willkür sollte also in Zukunft nicht mehr die Rede sein, wenn Europa möglicherweise neue Verbote im Bereich von elektrischen Wasserkochern, Föhnen oder Hochdruckreinigern erlässt.

Auch in der Sache lassen sich die Vorschriften gut begründen. Sie tragen dazu bei, dass weniger Kraftwerke gebaut werden müssen, dass der CO2-Ausstoß sinkt und dass die Stromrechnungen der Haushalte niedriger ausfallen. Allein die Vorschriften zum Stromverbrauch von Fernsehgeräten im Stand-by-Modus, die 2008 den Anfang der Regulierung machten, dürften inzwischen den Geldbeutel von so gut wie jedem der 500 Millionen Verbraucher in der EU entlastet haben.

Auch die Hersteller profitieren: Europa setzt Standards in der Welt, zahlreiche Märkte außerhalb Europas lehnen sich an das Ökodesign der EU an. Die ansässige Industrie wird angespornt, sparsame Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Der Anreiz besteht nicht nur durch die Verbrauchsobergrenzen, sondern ebenso sehr durch die Kennzeichnung des Energieverbrauchs, wenn das Produkt im Schaufenster steht: Vorbildliche Produkte haben bessere Chancen beim Verbraucher. Wer alle zehn Jahre einen neuen Kühlschrank kauft, der greift tiefer ins Portemonnaie, wenn er weiß, dass sich der Aufpreis bei der Neuanschaffung innerhalb von wenigen Jahren über die Stromrechnung amortisiert.

Unter dem Strich ist festzuhalten: Auch wenn die Regulierung durch Brüssel im Einzelfall in liebgewordene Gewohnheiten eingreifen mag, Verbote von Energieschleudern passen letztlich zu dem Europa, das der französische Präsident Emmanuel Macron propagiert: ein Europa, das die Bürger beschützt. Mehr davon, bitte!

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