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Meinung: Die Arbeitswelt im Wandel

Meinung: Die Arbeitswelt im Wandel

Der Arbeitsmarkt ist im Wandel. Der Kampf um gute Ausbildungs- und Arbeitskräfte ist längst im vollen Gange.

Viele Betriebe in der Region Trier können ein Lied davon singen. Und viele haben darauf bereits reagiert und bieten ihren Mitarbeitern Förderung und Arbeitsplatzgarantie.

Gleichzeitig steigen die Herausforderungen an jeden Einzelnen, der seine Position auf dem Arbeitsmarkt halten und festigen will. Mehr arbeiten, länger arbeiten, flexibler arbeiten, lebenslang lernen: Jeder Arbeitnehmer versucht nach besten Möglichkeiten mitzustrampeln, manch einer möchte sich jedoch lieber freistrampeln und Zwängen und Anforderungen entfliehen. Vergebliche Liebesmüh.

Beispiel Arbeitszeit: Schon jetzt sind die klassischen Nine-to-five-Jobs von 9 bis 17 Uhr ein Auslaufmodell. Gleitzeit, Teilzeit, Arbeitszeitkonten, Vertrauensarbeitszeit: All das wollen und brauchen Mitarbeiter, um Familie, Beruf, Freizeit und Verantwortung unter einen Hut zu bekommen. All das wollen und brauchen aber auch Betriebe, um immer schneller auf Aufträge und Kundenwünsche reagieren zu können und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die neue Flexibilität hat allerdings auch Schattenseiten. Die permanente Erreichbarkeit der Beschäftigten lässt die Grenze zwischen Freizeit und Arbeit immer mehr verschwimmen. Dabei sind Arbeitszeit und Flexibilität neben Lohnmodellen und Renteneintritt nur zwei von zahlreichen Herausforderungen in der Arbeitswelt der Zukunft.

Was generell abhanden gekommen ist, ist das gegenseitige Verständnis füreinander und die Toleranz für unterschiedliche Belange. Und dies betrifft sowohl das Verhältnis von Arbeitnehmern zu Arbeitgebern als auch das der Arbeitnehmer untereinander. Wer für sich, seinen Arbeitsplatz und seine Branche Akzeptanz einfordert, muss sie auch anderen gewähren. Für manchen hört die Solidarität mit Forderungen anderer nach mehr Lohn, Arbeitsschutz oder Weiterbildung nämlich da auf, wo man selbst betroffen ist. Wird der Müll nicht abgeholt, ist die Unterstützung für die Müllwerker schnell dahin, ebenso wie die für streikende Busfahrer, Fluglotsen oder Erzieherinnen.

Grund genug, den 1. Mai als Tag der Arbeit wieder als das zu würdigen, wozu er gedacht ist: sich daran zu erinnern, dass Arbeitnehmerrechte nicht vom Himmel fallen, sondern Einsatz und Solidarität von allen fordert.

Und Arbeitgeber sollten sich dessen ebenso bewusst sein: Ihr Erfolg basiert nur auf Qualifikation und Motivation ihrer Mitarbeiter. Denn die Errungenschaften der Gewerkschaften sind gleichzeitig auch Zeugnisse der Kompromissbereitschaft von Unternehmen. Diese abzugeben oder den Dialog zu verweigern bedeutet, auf Wachstum, Verantwortung und Zukunftsfähigkeit zu verzichten.
s.schwadorf@volksfreund.de