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Meinung
Menschlichkeit geht immer vor

FOTO: TV / klaus kimmling
Es ist bedrückend zu sehen, wie gespalten die deutsche Gesellschaft in der Flüchtlingsfrage ist, wie der Hass schwelt und welche Ängste geschürt werden. Nachdem 13 Eritreer, die auf einem LKW entdeckt wurden, spurlos verschwanden, stehen die Polizei und die Ausländerbehörden in der Kritik.

Ja, es mag sein, dass die Polizisten formell Fehler gemacht haben. Aber was wäre die Alternative? Wer wollte in einem Land leben, in dem Polizisten völlig erschöpften, dehydrierten Flüchtlingen als Erstes die Fingerabdrücke abnehmen, statt ihnen Wasser zu geben und den Notarzt zu rufen?

Kein Zweifel, in der Flüchtlingspolitik ist vieles schief gelaufen. Es gab zu wenig Personal für zu viele Fälle, ewige Wartezeiten, Fehl­entscheidungen, mangelhaften Datenaustausch, Kommunikationspannen, jede Menge Behördenchaos. Aber wie bitte sollte man verhindern, dass Flüchtlinge weiterflüchten? Sie alle einsperren? Das geht nicht! Rechtlich nicht. Und moralisch schon gar nicht. Auch, wenn mancher Angst hat, Opfer eines islamistischen Terroristen zu werden, obwohl dieses Risiko winzig klein ist. Auch wenn es manchen beunruhigt, nicht alles unter Kontrolle zu haben. Menschlichkeit ist wichtiger.⇥k.demos@volksfreund.de