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Milliardenspiel Fußball - wer soll für Polizeieinsätze zahlen?

Die Woche im Blick : Milliardenspiel Fußball

Um die Polizei in Rheinland-Pfalz ging es in dieser Woche bei gleich zwei Themen – Innenminister Roger Lewentz musste dabei zwischen Angriff und Abwehr wechseln.

Sport kann so einfach sein. Etwa beim Fußball einen Elfmeter zu verwandeln: freie Bahn, keine Abwehrspieler, nur ein Torwart, der alleine versucht, den Treffer zu verhindern. Solch ein Elfmeter ist – zumindest bei schneller Betrachtung – auch der Vorstoß, die reiche Deutsche Fußball-Liga dazu zu bringen, sich an den Kosten für gefährliche Spiele zu beteiligen.

Ob die Liga und die Bundesligavereine selbst beträchtliche Steuern zahlen, ob der Fußball eventuell sogar ein Pluspunkt für die Wirtschaft vor Ort ist, ist da schnell vergessen. Ebenso übrigens wie die Frage nach der Abgrenzung für solche Ereignisse. Wo fangen Extra-Gebühren für die Polizei an, wo hören sie auf?

Bremen etwa will Gelder für Großereignisse mit Gewaltpotenzial verlangen. Ganz frech gefragt: Ist das ab sofort auch jedes Volksfest, auf dem es schon einmal Ärger gab? Ist das jedes Spiel mit Derbycharakter? Zumal die Einstufung in Hochrisikospiele und andere Spiele mit höherem Risiko bisher nicht immer nachvollziehbar ist. Und ist es etwa Zufall, dass das bisher finanziell notleidende Bremen Vorreiter ist? Wird das nur dort eine Diskussion, wo die Kassenlage vor Ort schlecht ist?

In dieser Woche stürmte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz mit nach vorne. Unter anderem mit der reichlich seltsam klingenden Begründung: „Wie sollte ich Steuerzahlern, Parlament und Rechnungshof erzählen, dass ich auf einen Weg verzichte, wie Bremen ihn einschlägt?“ Das klingt, gelinde gesagt, nach bedingungsloser Offensive. Und die ist – jeder Trainer weiß das – selten ein erfolgversprechender Weg. Immerhin: Der Minister will zumindest vorab taktisch etwas geschickter vorgehen. Ziel ist es, gemeinsam mit dem Bremer Innensenator Ulrich Mäurer die Liga zu überreden, in einen Fonds einzuzahlen und sich damit an den Kosten zu beteiligen. Elfmeter verwandelt? Das wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Lewentz selbst hätte solch einen Erfolg jedenfalls durchaus nötig. Denn bei der Debatte um die passenden Fahrzeuge für die Polizei ist der Minister schwer unter Druck, es geht für ihn darum, die passende Verteidigung zu finden. Die angeblich so günstigen Audi A4 müssen mittlerweile zum zweiten oder dritten Mal nachgerüstet werden. Erst gab es Ablagen für die neue schwere Ausrüstung, dann mussten dafür Federungen verstärkt werden – und nun fällt auf, dass die Beamten nach hinten kaum mehr etwas sehen. Die Folge: Erneute Fahrt in die Werkstatt, damit Kameras nachgerüstet werden können. Ebenfalls zu bedenken: Wenn vier Personen im Auto sitzen, dürfen sie im Schnitt nur noch 75 Kilogramm wiegen, sonst ist das Auto überladen. Müssen die Polizisten nun abnehmen? Oder werden schwergewichtige Kriminelle nicht mehr festgenommen? Ohne Blick auf die Kosten wäre diese Posse nur für eine launige Unterhaltung am Stammtisch geeignet. Wenn aber bereits zum Zeitpunkt der Anschaffung klar war – wie dies die Opposition sagt –, dass es eine neue Ausrüstung geben wird, zeigt sich, dass die Verwaltung bei der Ausschreibung unaufmerksam war. Oder um bei den sportlichen Assoziationen zu bleiben: Nun muss der Minister versuchen, den Elfmeter abzuwehren.

In diesem Sinne: Genießen Sie ein friedliches Wochenende, ob mit oder ohne Fußball.

t.roth@volksfreund.de