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Meinung
Missbrauch in der katholischen Kirche: Nichts dazugelernt

FOTO: klaus kimmling / TV
Trier. Das Thema sexueller Missbrauch ist für die katholische Kirche längst nicht ausgestanden. Das zeigt ein neu aufgetauchter Vorgang im Bistum Trier. Von Rolf Seydewitz

Die gestern zeitgleich in Köln und Trier verbreitete Nachricht über einen mutmaßlichen Missbrauchspriester, der über Jahre hinweg im Bistum Trier auch in der Kinder- und Jugendarbeit tätig war, ist für die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche eine Katastrophe. Wie insbesondere das Trier vorgesetzte Erzbistum Köln mit dem Fall umgegangen ist, lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Die frommen Herren haben aus ihren Fehlern der Vergangenheit aber auch gar nichts gelernt.

Da ist ein Priester aus dem Erzbistum Köln mit Jahrzehnte zurückliegenden Missbrauchsvorwürfen konfrontiert, die der Geistliche bestreitet. Juristisch ist der ganze Fall offenbar nie aufbereitet worden, inzwischen dürften die Vorwürfe gegen den Mann ohnehin verjährt sein. Doch die Verantwortung seiner Vorgesetzten bleibt. Wenn sie den Priester schon nicht suspendieren, sondern ihm „nur“ Auflagen machen, müssen sie deren Einhaltung auch kontrollieren – und gegebenenfalls andere darüber informieren. Nichts davon haben die Kölner gemacht. Nur durch einen Zufall, so scheint es, ist der Fall publik geworden. Ist es ein Einzelfall, oder macht die katholische Kirche so weiter wie in den Jahren vor Bekanntwerden des Missbrauchsskandals? Taucht ein Problem auf, machen die frommen Männer die Augen zu und bereiten das Mäntelchen des Schweigens darüber aus. Wann lernt die Kirche endlich aus ihren Fehlern?