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Nach Busunfall in Trier: Es fehlt die Vision für den Nahverkehr

Die Woche im Blick : Es fehlt die Vision für den Busverkehr

Nach dem Busunfall in Trier kommt die Diskussion über eine Anschnallpflicht wieder auf. Doch nicht nur bei dieser zeigt sich vor allem ein Problem: Es fehlt die Vision für eine Verkehrswende, die nicht auf Verbote und dreimonatige Sparangebote, sondern auf ein attraktives Angebot für viele Menschen setzt.

In dieser Woche sorgte die Meldung über einen Busunfall für Aufregung. Ein Linienbus, in dem fast ausschließlich Schülerinnen und Schüler saßen, fuhr in Trier frontal gegen einen Baum, elf Kinder und Jugendliche sowie der Busfahrer wurden verletzt, einige mussten ins Krankenhaus. Zunächst das Wichtigste: Mittlerweile sind alle wieder zu Hause. Wir wünschen auch an dieser Stelle noch einmal gute Besserung.

Bereits kurz nach dem Unfall kam die Diskussion auf, ob in Linienbussen eine Anschnallpflicht eingeführt werden sollte. Landeselternsprecher Reiner Schladweiler forderte diese nach Gesprächen mit Betroffenen. Seine Argumentation ist mehr als nachvollziehbar: „Manche Kinder sind über die Sitze geflogen und in den Gang geworfen worden. Mit Anschnallgurten hätten wir hier das Schlimmste vermeiden können.“

Fast noch erwartbarer waren die Reaktionen derer, die vor Ort zuständig sind. Der Verkehrsverbund Region Trier (VRT) verwies etwa auf fehlende gesetzliche Grundlagen, auf fehlende Busse mit entsprechender Ausstattung und auf dann fehlende Stehplätze. Zudem verwies der VRT sogar darauf, dass Gurte ein Problem sein könnten, wenn etwa bei einem Feuer Panik ausbrechen würde. Bei allem Verständnis fällt es schwer, dies ernsthaft als Argument vorzubringen. Natürlich gibt es Einzelfälle, in denen es am wichtigsten ist, möglichst schnell aus dem Bus zu kommen. Dass es bei den allermeisten Unfällen aber besser wäre, sicher im Sitz zu bleiben und nicht durch den Bus geschleudert zu werden, betonen auch Sicherheitsexperten. Auch im normalen Auto gibt es übrigens einige wenige Fälle, in denen Menschen Unfälle überlebt haben, weil sie nicht angeschnallt waren und etwa aus dem Gefahrenbereich geworfen worden sind. Deswegen würde aber niemand die Anschaffung der Gurtpflicht im Auto fordern.

Zurück zur Gurtpflicht im Bus und den ersten Argumenten des VRT: Es fehlt derzeit – und dies ist der eigentliche Hintergrund der Aussagen aus dem Verkehrsverbund – einerseits das Geld für entsprechende Pläne, andererseits gibt es zu wenige Busfahrerinnen und -fahrer.

Und das grundlegende Problem liegt sogar noch tiefer: Es mangelt nicht nur hier vor allem an einer Vision, wie moderner, attraktiver und noch sichererer Busverkehr in einigen Jahren aussehen soll – und diese Vision fehlt auf allen Ebenen. Das zeigt sich übrigens auch beim Entlastungspaket, das die Regierung beschlossen hat. Ja, es wird bald mit dem Neun-Euro-Ticket ein Angebot geben, das den öffentlichen Nahverkehr attraktiv macht – aber eben nur finanziell. Denn erstens ist das Angebot zunächst einmal auf 90 Tage befristet. Und zweitens ist damit noch keine einzige Idee umgesetzt, um nicht nur Tickets zu vergünstigen, sondern ebenso das Angebot zu verbessern und endlich einmal im Blick zu haben, wie der Verkehr der Zukunft attraktiv und umweltfreundlich gestaltet werden kann. So bleibt vieles wieder einmal Stückwerk – und eine Verkehrswende, die den Namen verdient, ist nicht in Sicht.

t.roth@volksfreund.de