1. Meinung

Nach dem Attentat von Hanaus sind alle gefordert

Nach dem Terrorangriff : Wir alle sind nach Hanau gefordert

Nach der Bluttat von Hanau ist zunächst eines wichtig: Es muss bei aller Diskussion zunächst um die Opfer gehen. Neun Menschen sind ermordet worden. Sie starben, weil der Attentäter Rassist war. Sie starben, weil er die Vielfalt der Menschen nicht akzeptieren wollte.

Nur mit Blick auf die Opfer ist es wichtig, auf die Tat und den Attentäter zu blicken, der auch seine Mutter und sich selbst tötete. Gerade nicht, um ihm mehr Raum zugeben. Sehr wohl aber, um zumindest die Wahrscheinlichkeit weiterer Bluttaten zu senken.

Manch einer wollte darüber streiten, ob der Täter psychisch krank war. Die Antwort darauf wird Ja sein. Und: Er war wohl ein Mensch, der Verschwörungstheorien ernst nahm. Er soll etwa geglaubt haben, dass Geheimdienste sich schon als Kind in seinen Kopf eingeklinkt haben. Dazu kam aber allen bisherigen Erkenntnissen zufolge, dass er ein faschistisches Weltbild hatte und Ausländer vernichtet werden müssten. Erst diese Kombination ermöglichte die Tat von Hanau.

Können solche Morde verhindert werden? Ist abzusehen, wann ein Verwirrter zum Täter werden kann? Darauf gibt es – so bitter es ist – nur eine ehrliche Antwort: Vielleicht in manchen Fällen, aber nicht immer. Dennoch ist es wichtig, sich Gedanken zu machen, wie der Hass gegen andere Menschen bekämpft werden kann. Jeder von uns kann seinen Beitrag leisten.

Natürlich müssen Politik, Justiz und Polizei gegen Rassisten vorgehen. Schärfere Gesetze sind dabei kein Allheilmittel. Was allerdings sicherlich notwendig ist: Gerade mit Blick auf den Hass im Netz müssen die Ermittler die Mittel erhalten, um auch Verdachtsfälle im Blick haben zu können. An vielen Stellen sind schlichtweg mehr IT-Experten notwendig, um etwa Hassposts zu sichern und deren Urheber ermitteln zu können. Es kann nicht sein, dass das Internet in Teilen zum rechtsfreien Raum wird.

Dabei sind übrigens auch die Betreiber der sozialen Netzwerke, aber auch deren Nutzer gefordert. Wir als Medienhaus werden uns deswegen an der Aktion „Verfolgen und Löschen“ beteiligen, die Justizministerium und Landesmedienanstalt in Rheinland-Pfalz gestartet haben. Dabei geht es keineswegs darum, auf unseren Facebook-Seiten andere Meinungen zu verbannen. Sobald allerdings jemand bedroht wird, sobald es sich klar um strafbare Äußerungen handelt, gibt es für uns eine klare Linie. Wir melden solche Kommentare den Behörden. Glücklicherweise können wir aber eines sagen: Diese Grenze wird zumindest auf unseren Facebook-Seiten fast nie überschritten.

Wir alle können übrigens auch im vermeintlich Kleinen etwas bewirken. Wir können im Verein, am Stammtisch, in der Schule oder bei der Arbeit für etwas eintreten. Für Meinungsvielfalt, für Respekt, für Aufgeschlossenheit und vor allem für das Miteinander. Dieses Für schafft es, dass wir alle gemeinsam gegen Rassismus und gegen Hass kämpfen. Dies sind wir unserer Gesellschaft schuldig. Und dies sind wir ebenso den Opfern von Hanau schuldig.