1. Meinung

Neun-Euro-Ticket: Darum ist es falsch und kann Bus und Bahn schaden

Die Woche im Blick : Das Neun-Euro-Ticket ist ein Irrweg

Das Neun-Euro-Ticket findet viele Käufer. Ob diese wirklich auf lange Zeit öfter mit Bus und Bahn fahren, ist mehr als unsicher. Analyse eines Irrwegs.

Zunächst gebe ich eines offen zu: Ich habe mir ein Neun-Euro-Ticket gekauft und werde das wieder machen. Selbst wenn ich nur ab und an in Trier Bus fahre, lohnt sich dies schnell. Aber hilft das Ticket, den Umstieg zu einer Verkehrswende einzuleiten, von der doch die allermeisten sagen, dass sie notwendig wäre? Dagegen spricht vieles:

1. Für das günstige Ticket wird das Geld an falscher Stelle eingesetzt. Grundsätzlich haben Bus und Bahn an vielen Orten vor allem einen Nachteil: Die Fahrt ist nicht attraktiv genug, wenn es überhaupt Angebote gibt. Es fehlt unter anderem an attraktiven Taktungen und an modernen Bussen und Zügen. Notwendig wäre viel mehr Geld für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Das Ticket aber sorgt dafür, dass – Stand jetzt – die Anbieter teils sogar überlegen, nach dem Neun-Euro-Ticket die Preise zu erhöhen!

2. Das Gießkannenprinzip beim Entlastungspaket hilft allen etwas, aber niemandem richtig. Sprit wird günstiger, Busse und Bahnen auch. Die Ampelkoalition wollte möglichst allen etwas Gutes zukommen lassen – die von manchem erhoffte Lenkungswirkung des Neun-Euro-Tickets wird damit aber ausgehebelt. Egal, ob man es richtig oder falsch findet, wenn Mobilität an allen Stellen günstiger wird, wird sich kaum etwas an der Verteilung der verschiedenen Verkehrsarten ändern.

3. Bus- und Bahnfahren kann noch unattraktiver werden. Wer nun wieder häufiger Bus und Bahn fährt, wird auf mancher Strecke sogar eines bemerken: Die Kapazitäten konnten nicht kurzfristig erhöht werden – wo sollen etwa die notwendigen Busfahrerinnen und Busfahrer plötzlich herkommen? Wer nun zum Einstieg beim Weg in den Urlaub aber einen überfüllten Zug erwischt, dürfte kaum überzeugt werden, öfter auf Bus und Bahn umzusteigen.

Wenn der Nahverkehr attraktiver werden soll, muss dessen Finanzierung gesichert sein, zudem die einzelnen Angebote besser abgestimmt sein. Dann würde nicht nur ein Sparticket bei mir und vielen anderen sicher dazu führen, diesen häufiger zu nutzen.

t.roth@volksfreund.de