Noch eine letzte Reform

Noch eine letzte Reform

Die Große Koalition sollte ihr heutiges, vermutlich letztes ernsthaftes Treffen nutzen, um wenigstens eine Reform noch zu schaffen: die der Manager-Bezüge.

Alle drei Parteien sollten die Verführung zurückstellen, mit dem Thema Wahlkampf zu machen.

Natürlich kann man punkten, wenn man - was die SPD offenbar vorhat - sagen kann: Wir wollten ja die Millionen-Gehälter kappen, aber die anderen haben es verhindert. Oder wenn man - wie die Union offenbar plant - behaupten kann: Wir wollten ja die Aufsichtsräte verkleinern, aber die Sozis haben Nein gesagt. Es gibt da aber noch einen anderen Faktor, den die Unterhändler nicht vergessen sollten: die Krise. Überzogene Gehälter, Bonus-Zahlungen und Aktien-Optionen haben die Kultur des Managements auch in Deutschland negativ verändert. Statt ein nachhaltig erfolgreiches Unternehmen zu führen, ging es häufig um den kurzfristigen persönlichen Profit. Aus Verantwortlichkeit wurde vielfach Gier. Erfolg und Vergütung wurden entkoppelt, Haftung und Verantwortung für das Risiko vergessen. Die Bürger erwarten aus wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Gründen, dass die Koalition aus dieser Erkenntnis die Konsequenzen zieht. Damit sich so etwas nicht wiederholt. Die soziale Gerechtigkeit, die es bei diesen Gehältern nicht geben kann, ist nicht das entscheidende Kriterium. Wenn Unionsparteien und SPD ihre Konzepte übereinander legen, werden sie feststellen, dass die Schnittmenge so groß ist, dass es für eine Reform reicht. Bei gutem Willen sollte sie heute Abend stehen.

nachrichten.red@volksfreund.de