Nur etwas Zeit gewonnen

Nur etwas Zeit gewonnen

Trier bleibt erhalten, Daun wird sogar leicht aufgestockt, Gerolstein etwas abgespeckt. Ist also alles in Butter und die Region bei der Bundeswehrreform noch einmal glimpflich davongekommen? Keineswegs.

Wir sollten uns nicht zu früh freuen.
Da sind zunächst die Schließungen und Reduzierungen um die Region Trier herum, in Ahrweiler, auf dem Hunsrück oder im Saarland. Auch da waren Soldaten aus dem Trierer Land stationiert, Zivilisten von hier dort beschäftigt. Viel schwerer aber wiegen die mittelbaren Folgen für die gesamte Region. Natürlich rufen die Städte und Gemeinden, wo demnächst Zapfenstreich ist, bei Bund und Land nach einem wirtschaftlichen Ausgleich. Den wird es in gewissem Umfang geben müssen. Doch vor dem Hintergrund der grundgesetzlich vereinbarten Schuldenbremse sollte niemand Wunder erwarten. Die öffentlichen Kassen sind allenthalben leer, die Schuldenberge fast unübersehbar. Dennoch: Geld wird fließen und zwar in die aktuell betroffenen Regionen im Land und bundesweit. Das heißt für alle anderen: Es kommen lausige Zeiten. Jeder Euro, der in Konversion gesteckt wird, fehlt an anderen Stellen.
Die einfache Wahrheit ist: Viel zu lange schon werden Bundeswehr und amerikanische Streitkräfte vor Ort ausschließlich als Wirtschaftsfaktor begriffen, auf den man nicht verzichten kann oder will. Darauf hat man gesetzt und darauf vertraut, dass die Soldaten ewig bleiben werden. Um die Landesverteidigung ging es dabei schon lange nicht mehr. Das rächt sich.
Für Rheinland-Pfalz werden die nächsten Jahre doppelt bitter. Denn das Land hat von der letzten Schließungswelle der Bundeswehr und der Abzugswelle der Amerikaner noch tonnenschwere Mühlsteine am Hals. Die Flughäfen Hahn und Zweibrücken sind seit Jahren Fässer ohne Boden, millionenschwere öffentliche Ersatzeinrichtungen wie Fachhochschulen sind angesiedelt, die Landesfeuerwehrschule gebaut und manches andere teure Trostpflaster verteilt.
Und noch immer warten im Land zahlreiche Konversionsflächen auf zivile Nutzung und die Kommunen auf Geld aus Mainz. Da können viele lange warten. Wie etwa die Stadt Bitburg, die in absehbarer Zeit auf rund 90 Hektar ehemals amerikanisch genutzter Fläche sitzen und nach öffentlichen Einrichtungen und Zuschüssen rufen wird.
Damit nicht genug. Schon die grassierende Geldnot der Nato-Staaten wird dazu führen, dass diese Reform nicht die letzte ihrer Art gewesen ist. Die Europäer müssen in absehbarer Zeit auch im militärischen Bereich ihre Zusammenarbeit deutlich ausbauen. Und dann wird erneut über Truppenstärke und Standorte diskutiert.
Wir haben jetzt einige Jahre Zeit gewonnen, mehr nicht. Fragt sich, wozu wir sie nutzen.

d.schwickerath@volksfreund.de

Mehr von Volksfreund