1. Meinung

Passgenaue Lösungen gesucht

Passgenaue Lösungen gesucht

Es ist atemberaubend zu sehen, wie sich in Sachen Kleinkind-Betreuung die gesellschaftlichen Verhältnisse in den letzten Jahren verändert haben. Selbst in den strukturkonservativsten ländlichen Gebieten erwarten die Experten, dass Eltern massenhaft von den künftigen Kitaplatz-Garantien für Kinder bis zur Vollendung des dritten Lebensjahrs Gebrauch machen.


Anders als auf vielen anderen Gebieten hat die Politik diese Entwicklung erstens erkannt und zweitens daraus Konsequenzen gezogen. Landauf, landab werden die Kapazitäten ausgeweitet. Der Gesetzgeber hat Fakten geschaffen, die Träger vor Ort müssen folgen.
Der Kita-Ausbau ist eine Aufgabe für alle. Selbstverständlich müssen sich daran auch die Gemeinden in angemessener Weise beteiligen, immerhin sind sie für das Wohl und die Interessen ihrer Bürger vor Ort zuständig.
Aber unbestreitbar ist auch, dass die zusätzlichen Kita-Plätze von hohem gesamtgesellschaftlichen Interesse sind. Nur ein flächendeckendes Betreuungsangebot macht es möglich, dass viele qualifizierte Menschen - vorrangig junge Mütter - zügig ins Arbeitsleben zurückkehren können.
Und nur ein hochqualifiziertes Betreuungsangebot schafft es, den Einstieg in die vorschulische und schulische Bildung zu ermöglichen.
Die beiden letztgenannten Punkte gehören aber ohne Frage zu den Aufgaben von Bund und Land. Deswegen verlangen die Kommunen völlig zu Recht, dass Berlin und Mainz sich angemessen an den beachtlichen Kosten des Ausbaus beteiligen. Und zwar so, dass sich die Gemeinden vor Ort auf die Finanzierung verlassen können - und vor allem keine Risiken übernehmen müssen, deren Auswirkungen nicht ihrer eigenen Kontrolle unterliegen.
Dass Kommunen Ausbaugrößen vorgegeben bekommen, aber hinterher faktisch dafür haften, wenn die prognostizierten Kinderzahlen nicht erreicht werden, ist grotesk. Der Ärger, der dadurch entsteht, ist gut nachvollziehbar - und unnötig. Das Land und die kommunalen Spitzenverbände sollten bei den anstehenden Verhandlungen die Modalitäten überarbeiten. Das gilt auch für den Wunsch der Kommunen, nicht nur kleine Anbauten, sondern bei Bedarf eben auch größere Maßnahmen zu bezuschussen. Keine Pauschalvorgaben, sondern passgenaue Lösungen: Das wäre ein sinnvoller Weg.
d.lintz@volksfreund.de