1. Meinung

Peanuts und andere Größen

Peanuts und andere Größen

Manchmal wäre es lohnender, sich mit solchen wirklich wichtigen Fragen zu beschäftigen, auch für den Steuerzahler.

Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Hätte sich Gesundheitsministerin Ulla Schmidt an die Volksweisheit gehalten, sie hätte jetzt keine Dienstwagenaffäre am Hals. Immer wieder haben Politiker wegen der repräsentativen Rolle, die sie ausüben sollen und müssen, an die sie sich aber manchmal allzu sehr gewöhnt haben, Probleme mit der Gesellschaft. Und immer wieder hat die Gesellschaft Probleme mit ihnen. Die Schuld aber liegt nicht nur bei den Politikern.

Die Tatsache etwa, dass ein Geburtstags-Dinner der Kanzlerin mit geladenen Gästen für Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann Schlagzeilen macht, ist der Bereitschaft vieler Menschen geschuldet, den Politikern zu unterstellen, sie seien eigentlich nur damit beschäftigt, sich auf Staatskosten ein persönliches Schlaraffenland zu verschaffen. Aber wer reich werden will, wird nicht Politiker, sondern Banker, und wer Banker ist, der feiert nicht im Kanzleramt, sondern mietet sich gleich die Münchener Residenz für eine richtige Privat-Sause. Was Ackermann übrigens getan hat.

Die Gesellschaft verlangt von einem Minister Omnipräsenz. Und gönnt ihm nicht mal das Transportmittel. Mancher Kritik muss man deshalb eine andere Volksweisheit vorhalten: Könnt ihr die Kirche nicht im Dorf lassen? Schmidt etwa wird auch vorgeworfen, dass sie in einem Fall die Flugbereitschaft nicht optimal nutzte. Sie beorderte die Maschine für einen Dienstflug Richtung München nach Maastricht, statt von Aachen, wo sie war, mit dem Auto nach Köln zu fahren, wo das Flugzeug stand. 2000 Euro Mehrkosten. Mit Verlaub, am kostengünstigsten wäre es natürlich gewesen, Schmidt hätte den ganzen Weg nach München gleich mit der Bahn zurückgelegt. Ganz nebenbei: Der eigentliche Skandal im Fall der Flugbereitschaft liegt nicht darin, dass sie einmal für 2000 Euro von Köln nach Maastricht fliegen musste, um Ulla Schmidt abzuholen. Der Skandal liegt darin, dass sie hundertfach von Köln nach Berlin fliegen muss - und zurück -, um dort die Minister abzuholen, denn wegen des Bonn-Berlin-Vertrages ist die Flugbereitschaft weiterhin in Köln-Wahn stationiert geblieben. So wollte es Nordrhein-Westfalen.

Manchmal wäre es lohnender, sich mit solchen wirklich wichtigen Fragen zu beschäftigen, auch für den Steuerzahler. Denn so eng, wie die Regeln für Politiker sind, gehören Bereicherungsaffären fast nie dazu, wie groß die Schlagzeilen auch sein mögen. Ackermann würde sogar sagen: Peanuts.

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