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Die Woche im Blick
Quo vadis, Malu Dreyer?

Thomas Roth
Thomas Roth FOTO: Friedemann Vetter / TV
Große Koalition statt Minderheitsregierung – die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin muss umdenken. Der neue Liebling der SPD ist als Überzeugerin gefordert. Von Thomas Roth

Wurde die Strategie für die Sondierungsgespräche in Trier beschlossen? Zugegeben, das ist reine Spekulation. Fest steht aber, dass sich Malu Dreyer und Martin Schulz kurz vorher hier trafen, beim Italie­ner besprachen sie sich – und der Name des Restaurants ist für Wortspiele aller Art bestens geeignet: Quo vadis.

Wohin führt der Weg nun die SPD? Ihre Mitglieder sind jetzt gefragt, sie sagen Ja oder Nein zur großen Koalition. Und sie stimmen damit – wie im Leitartikel auf dieser Seite mein Kollege Werner Kolhoff treffend schreibt – über die Zukunft von Martin Schulz ab. Eine der entscheidenden Stimmen der Partei kam in den vergangenen Wochen aus Rheinland-Pfalz. Es ist ganz sicher kein Zufall, dass Schulz in Trier mit Malu Dreyer zusammensaß. Der Frau, die beim Bundesparteitag das mit Abstand beste Ergebnis erzielte. Der Frau, die Wahlen drehen und gewinnen kann, die sympathisch und überzeugend wirkt, nicht nur bei den Rheinland-Pfälzern, sondern nun auch in der Bundes-SPD.

Das Ergebnis der Sondierungen ist nun aber für Malu Dreyer ein gefährliches. Es gab und gibt Diskussionen über die Wende von Martin Schulz – vom Komplett-Verweigerer zum Verhandler zum Vertreter für eine große Koalition. Nun muss Dreyer ebenfalls eine Wende erklären: Sie kämpfte für die Minderheitsregierung, sie sprach über eine Neuausrichtung der SPD außerhalb der Regierung. Sie kam damit gerade bei den Vertretern des linken Flügels an, bei den Jusos, bei den NoGroko-Vertretern, die auf die Heilung hofften, wenn sie allerhöchstens ein bisschen mitregieren.

Quo vadis, Malu Dreyer? Wie gelingt ihr nun der Wechsel zur Groko-Freundin? Wie erklärt sie, dass es wieder zur Regierungs-Heirat kommt und nicht zur lockeren Liaison mit der CDU? Kann sie die Kritiker in der Partei jetzt mitnehmen? Oder ist Dreyer diejenige, die von Scheidung spricht, wenn es nach einer Neuauflage der Koalition zu ersten Streitigkeiten kommt? Ganz sicher ist ihre Bedeutung in der SPD bundesweit gewachsen.

In Rheinland-Pfalz hat Dreyer sowieso ihren Weg gefunden. Am nächsten Dienstag ist die Triererin fünf Jahre Regierungschefin. Sie kann hart verhandeln, führt die Dreier-Koalition aber so, dass kaum Unmut zwischen den Parteien zu spüren ist. Sie betont immer wieder, dass sie auch bei der nächsten Wahl 2021 wieder kandidieren und in Mainz weiterregieren will. Und sie ist doch erfahren genug, nie ganz auszuschließen, dass in Berlin noch mehr auf sie wartet als Sondierungsrunden oder die eine oder andere Sitzung des Bundesvorstands.

Quo vadis, Julia Klöckner? Ebenfalls reine Spekulation, aber sicherlich kurzfristig noch realistischer ist, dass es eine andere Rheinland-Pfälzerin nach Berlin zieht. Die CDU-Landeschefin  gehörte zu denjenigen, die auf Unionsseite sondierten. Sie gehörte früher nicht zu Angela Merkels engsten Vertrauten, war aber gerade in den vergangenen Wochen verlässliche Parteifreundin. Gut möglich, dass dies honoriert wird.

Zuvor muss Klöckner aber ihrer Erzrivalin die Daumen drücken. 2016 schaffte es Malu Dreyer, den fast sicher geglaubten Wahlsieg der CDU zu verhindern. 2018 kann Dreyer nun den Weg für Klöckners Rückkehr auf die große bundespolitische Bühne freimachen, wenn sie ihre Partei von der Groko überzeugt. Was für seltsame Wege, bei denen ein Treffen in Trier vielleicht manche Richtung vorgab.

t.roth@volksfreund.de