1. Meinung

Region des Wandels, nicht des Verfalls

Region des Wandels, nicht des Verfalls

Wie schön: Es gibt noch gute Nachrichten. Auch wenn man generell nicht jeder Statistik bis in jedes Detail trauen muss, setzen die Ergebnisse der Jugend-Studie in der Region Trier starke, unbestreitbare Akzente.


Wir leben rund um Trier und Bitburg in einer Zeit des Wandels, aber nicht des Verfalls. Die jungen Leute - und sie sind es, die über die Zukunft entscheiden - fühlen sich hier wohl. Sie wollen ihre eigenen Wege gehen, aber sie wollen nicht unbedingt weg von Mosel, Saar und Eifel. Sie glauben an ihre Zukunft in der Region. Und wenn sie weggehen (müssen), jammern sie nicht, aber sie haben oft eine Rückfahrkarte in der Tasche.
Darauf lässt sich aufbauen. In der Westpfalz oder in Brandenburg würde eine vergleichbare Studie anders ausfallen. Wo alles kaputt ist, muss erst wieder aufgebaut werden. Bei uns aber ist vieles vorhanden: Uni und Fachhochschule, gute Jobs in Luxemburg, mittelständische Betriebe, die nach qualifiziertem Personal lechzen. Wenn es um die Zufriedenheit der Jugendlichen geht, ist Perspektive das Zauberwort. Und um die brauchen sich die meisten heute 14- bis 25-Jährigen keine Sorgen zu machen.
Es wäre allerdings ein Fehlschluss zu meinen, die Region könne sich angesichts einiger guter Rahmendaten komfortabel zurücklehnen. Die Studie der Uni Trier macht auch deutlich, dass die junge Generation bereit und in der Lage ist, sich zu bewegen und auf geänderte Rahmenbedingungen einzustellen.
Dass man weitere Wege zu Schule oder Arbeitsstelle in Kauf nimmt, dass man bereit ist, Mühe in Bildung zu investieren, dass man nicht einfach auf dem Status quo bestehen kann: Das könnten wir Älteren vom Nachwuchs lernen. Wir handeln in der Regionalentwicklung statisch, konzentrieren uns auf den Erhalt von Besitzständen, schlagen oft noch die Schlachten der 70er Jahre, statt den Wandel zu gestalten. Vor Veränderungen muss man weniger Angst haben, wenn man sie selbst anstößt.
Und noch eins könnten wir lernen von der Generation 2010: Den Blick auf diejenigen nicht zu verlieren, die es aus eigener Kraft nicht schaffen. Gerade der Umstand, dass es den meisten hier bei uns gut geht, macht es möglich, gezielt auf die jungen Leute zuzugehen, die Unterstützung brauchen. Die Studie attestiert den Jüngeren "hohe Sozialität". Das ist ermutigend.
Eh ich\'s vergesse: Laut Studie nutzen immer mehr Youngster das böse, böse Internet und ihre Smartphones als Raum der eigenständigen, hilfreichen Information, Bildung und Netzwerk-Kommunikation. Vielleicht ist es da höchste Zeit, ein paar Vorurteile über Bord zu werfen.
d.lintz@volksfreund.de