Reinen Wein einschenken

Reinen Wein einschenken

"Busverkehr in der Region steht vor dem Aus" - so lautete vor genau einem Jahr die Schlagzeile im Volksfreund nach einer Sitzung des Zweckverbands Verkehrsverbund Region Trier (VRT). Zwölf Monate sind vergangen, seit der VRT-Vorsitzende, der Bitburg-Prümer Landrat Joachim Streit, zum ersten Mal lautstark vor einem Kollaps des Nahverkehrs zwischen Eifel und Mosel gewarnt hat.

Ungehört sind die Worte nicht geblieben. Der Mainzer Verkehrsminister Roger Lewentz reagierte empört auf die Vorwürfe, das Land lasse die Region in Sachen Bus und Bahn im Regen stehen. Der VRT solle endlich seine Hausaufgaben machen und unrentable Busstrecken einstellen, hieß es aus dem Ministerium.

Viel wurde seitdem geredet, übereinander und miteinander. Das Land wollte dem VRT helfen, seine Strukturen zu ändern, es sollte Kooperationen geben. Ziel: Eine weitere Fahrpreiserhöhung sollte verhindert werden.
Heute kommt der VRT in Daun zusammen. Und wieder einmal geht es um höhere Preise. Mit anderen Worten: Seit einem Jahr hat sich nichts getan. Es wurde geredet, aber keine Lösung gefunden. Jeder weiß, dass der Nahverkehr in der Region allein durch die Einnahmen nicht zu finanzieren ist. Genauso klar ist, dass jede Fahrpreiserhöhung nicht nur unsozial ist, sondern auch die Zahl der ohnehin schon zahlenden Fahrgäste, außer den Schülern, reduzieren wird und damit den Unternehmen ein noch größeres Minus beschert.

Ständig nur an der Preisschraube zu drehen kann und darf keine Lösung sein. An einer Umstrukturierung des Nahverkehrs führt kein Weg vorbei. Unrentable Stecken - und von denen gibt es einige in der Region - müssen entweder gestrichen oder durch neue Angebote wie Rufbusse ersetzt werden. Auch muss die Finanzierung des Nahverkehrs in der Region neu aufgestellt werden. Falls Land und Kommunen ernsthaft an einem Mindestangebot von Buslinien in der Region interessiert sind, müssen sie dafür auch zahlen - mehr als bisher.

Falls nicht, dann müssen sie den Bürgern reinen Wein einschenken und klipp und klar sagen: Es kann keinen öffentlichen Personennahverkehr außer den Schulbussen mehr geben, einen solchen Luxus können wir uns nicht mehr leisten.

Sicherlich eine Überlegung wert ist das vom Verkehrsexperten Monheim ins Gespräch gebrachte Bürgerticket: Alle bezahlen pro Jahr einen festen Beitrag und können dafür so viel mit Bus und Bahn in der Region fahren, wie sie wollen. Doch dafür wird es wohl keine Mehrheit geben, weder in der Politik noch bei den Bürgern.

b.wientjes@volksfreund.de