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Schleckers Schrecken

Schleckers Schrecken

Freitag war ein schwarzer Tag für alle verbliebenen Mitarbeiter von Schlecker. Sie verlieren ihren Arbeitsplatz, die Drogeriekette geht pleite.

Kein Investor hat so viel Geld geboten, dass die Gläubiger, denen Schlecker bis zu einer Milliarde Euro schuldet, hätten zufriedengestellt werden können. Nun machen die meisten Läden dicht.
Bundesweit trifft dies 13 000, in der Region Trier etwa 180 Beschäftigte, denen Ende Juni gekündigt wird. Ihnen sollte das Mitgefühl gelten. Andere Handelsunternehmen sollten prüfen, ob sie nicht die eine oder den anderen übernehmen können. Die Arbeitsagentur ist genauso gefragt: Ihre Berater müssen erkunden, wo die Jobsuchenden gebraucht werden.
Das wird nicht einfach, wie sich gezeigt hat, als die ersten 70 Kündigungen in der Region bei Schlecker im Frühjahr ausgesprochen wurden: Viele ehemalige Beschäftigte, mehrheitlich Frauen, suchen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi Vollzeitjobs, andere sind alleinerziehend, oft sind es ältere Arbeitnehmerinnen. Leider ist die Nachfrage nach diesen Arbeitskräften nicht groß genug.
Es ist daher an der Zeit, dass verantwortungsbewusste Unternehmer mehr Ex-Schlecker-Mitarbeiter einstellen. In Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit müsste sich für tüchtige Entlassene eine Chance ergeben. Zu weit ginge es, wenn nun der Staat aus Steuergeld Sonderfonds einrichtete, wie es die nordrhein-westfälische Landesregierung erwägt, um die Schlecker-Gehälter eine Zeit lang zu sichern. Warum sollten einige Tausend Arbeitslose besser gestellt werden?
Auch die Debatte, ob die FDP mit ihrem Nein zu Transfergesellschaften das Schlecker-Aus provozierte, führt zu nichts. Denn die Antwort auf diese Frage lautet: Nein. Zwar hätten Geldgeber es gern gesehen, dass so eine Gesellschaft zur Auslagerung von Jobs gegründet wird, weil eine Übernahme Schleckers dann billiger geworden wäre. Gescheitert ist Schlecker jedoch früher. Das System des Gründers, Anton Schlecker, versagte. Er kalkulierte mit Wachstum dank immer neuer, kleiner Filialen mit wenig Personal. Er arbeitete mit Rabatten und Krediten der Lieferanten dank schierer Größe. Der Markt war für dieses Schneeballsystem schon lange zu eng. Und ein Teil der früheren Profite ging auf Kosten der Beschäftigten, die über Jahre unter Tarif bezahlt wurden.
Der alte Schlecker ließ sich nicht reinreden. Der Geheimniskrämer führte als eingetragener Kaufmann eine Firma mit zeitweise 30 000 Mitarbeitern. Allmacht mit schrecklichen Folgen statt Transparenz der Geschäfte: Ob solche Firmenkonstrukte zeitgemäß sind, damit sollte sich nun der Bundestag befassen.
oht@volksfreund.de