1. Meinung

Streiks und Ausfälle - Busfahren in der Region Trier ist schwer

Die Woche im Blick : Busfahren – schwer gemacht

Bahnfahren ist gut für die Umwelt. Auch Busfahren wartet mit einer guten Öko-Bilanz auf. Schlecht dagegen ist Autofahren. Und wer den Flieger nimmt, der sollte das lieber verschweigen. Im Internet droht der Shitstorm.

Eine freiwillige Zahlung, etwa zur Baumpflanzung, hilft übrigens nicht. Das ist, so sehen es zumindest viele Umwelt-Aktivisten, ein Ablasshandel der schlimmsten Art. Reiche würden sich so freikaufen.

Doch ist es wirklich so einfach, wie mancher selbst ernannte Umweltfreund behauptet? Und sind Bus- und Bahnfahren attraktiv? Die vergangenen Wochen haben in unserer Region gezeigt: Die Umstellungen – mehr Linien und neue Verbindungen – bei den Bussen sorgten für Ärger. Manche Unternehmen hatten zu wenig Fahrer, Verbindungen fielen aus. Eltern mussten ihre Kinder plötzlich abholen. Es lohnt sich dabei, den Blick etwas genauer auf die Probleme zu werfen: Denn es zeigt sich, dass einige Busfirmen wesentlich mehr Probleme hatten als andere. Das hat ganz sicher mit Planung zu tun. Und es hat auch etwas damit zu tun, fair und korrekt zu kalkulieren.

Gestern fielen wieder einmal Busse aus. Verdi hatte zum Streik aufgerufen – und wird dies wohl auch am Montag tun. Zum Ärger vieler Fahrgäste unter anderem bei der Moselbahn. Gerade hier mussten schon zuvor Verbindungen gestrichen werden. Gerade hier mussten die Bürger bereits einiges erleiden. Ob sie Verständnis haben, dass die Gewerkschaft hier ansetzte? Wohl kaum. Vor allem, weil Verdi zugab, die Ausfälle gekannt zu haben. Ja, es stimmt: In unserer sozialen Marktwirtschaft sind Streiks legitimes Mittel im Arbeitskampf. Und die Forderung nach mehr Geld und besseren Arbeitsbedingungen für Busfahrer ist absolut nachvollziehbar. Ein klein wenig mehr Einfühlungsvermögen für vom Streik Betroffene wäre dennoch angebracht.

Noch einmal zum Ausgangspunkt: In den nächsten Jahren sollen mehr Busse in der Region fahren. Dies ist, gerade in Eifel, Hunsrück oder Hochwald, eine gewaltige Aufgabe. Und es wird zu Problemen kommen. Dies gibt hinter vorgehaltener Hand selbst mancher Politiker zu, der dies mitbeschlossen hat. Wo etwa sollen neue Busfahrer herkommen? Und ist es nicht so, dass viele Busse mit wenigen Fahrgästen unterwegs sein werden? Das wird Kosten in die Höhe treiben und dafür sorgen, dass die Busfahrt keineswegs mehr so umweltfreundlich ist. Bei Berechnungen des Umweltbundesamtes sind etwa immer durchschnittliche Belegungen für Busse und Bahnen angenommen worden.

So ist mit Blick auf den Verkehr der Zukunft vor allem eines notwendig: Differenzierung. Busgrößen müssen je nach Tageszeit angepasst werden. Anrufbusse und Sammeltaxis sind gefragt, ebenso das oft gescholtene Auto. Zudem ist klar: Die Industrie ist bei Bussen, Bahnen, Autos und Flugzeugen in der Pflicht, möglichst saubere und neue Antriebe zu entwickeln. Denn die Mobilität der Menschen wird sich nicht zu stark einschränken lassen. Zumal damit etwas anderes verloren gehen könnte: die Offenheit für andere Kulturen und andere Menschen.

t.roth@volksfreund.de