Stückwerk in der Sommerpause

Die Euro-Krise macht keine Pause. Seit Ausbruch des Schuldendesasters vor mehr als zwei Jahren war es nun bereits das vierte Rettungspaket, das deutsche Volksvertreter für ein Problemland durchgewinkt haben.

Erst Griechenland, dann Irland sowie Portugal und nun also Spanien, immerhin die viertgrößte Wirtschaftsnation im Euro-Raum. Wem wird da nicht mulmig zumute?
Hätte der Bundestag gestern auch über diese Frage abgestimmt, das Votum wäre garantiert noch eindrucksvoller ausgefallen als die Mehrheit für die Spanien-Hilfen.
Angeblich braucht das Land diese Hilfen "nur", um seine angeschlagenen Banken zu retten. In den vergangenen Tagen und Wochen wurde deshalb hitzig debattiert, ob im Zweifel der spanische Staat haftet, wenn die Sanierung nicht gelingt, oder Europa, also auch Deutschland. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble suchte die Öffentlichkeit gestern einmal mehr zu beruhigen. Doch wenn Spanien nicht in der Lage ist, sein Bankensystem aus eigener Kraft zu sanieren, dann ist offenkundig auch der Staat dort dringend sanierungsbedürftig. Spanien muss fürs Schuldenmachen inzwischen so hohe Zinsen zahlen, dass es auf Dauer damit überfordert ist. Naheliegend wäre deshalb, dass Spanien als Ganzes unter den Rettungsschirm schlüpft. Nur müsste das Land in diesem Fall deutlich strengere Sparauflagen erfüllen als bei der Operation Bankenrettung. Aber davon will Madrid nichts wissen. So ist die Sorge durchaus berechtigt, dass der deutsche Steuerzahler am Ende marode spanische Banken mitsaniert. Der mit den Spanien-Hilfen verbundene Stresstest für die Banken tröstet da nur bedingt. Spätestens seit der Lehman-Pleite ist es ein Reflex, die Geldinstitute im eigenen Land unter allen Umständen zu stützen - koste es, was es wolle.

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