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Meinung
Stunde der Wahrheit

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Emmanuel Macron hat sich auf einen Langstreckenlauf eingelassen. Nicht erst seit Dienstag dürfte dem Präsidenten bewusst sein, dass die Reformen in Frankreich ein Marathon sind. Von Christine Longin

Der Start gelang dem einstigen Wirtschaftsminister mit der Arbeitsrechtsreform schnell und mühelos. Doch nun könnten die Dauerstreiks gegen die Bahnreform den Staatschef auslaugen. Vor allem, weil Millionen Menschen täglich die Staatsbahn SNCF nutzen. Sie drohen zu unschuldigen Opfern einer monatelangen Kraftprobe zu werden, die der 40-Jährige mit den Gewerkschaften führt. Die Zustimmung für Macron könnte schnell ins Gegenteil kippen.

Für den Staatschef ist mit dem Bahnstreik die Stunde der Wahrheit gekommen. Denn seine Reformpläne kann er nur fortsetzen, wenn er den Konflikt um die SNCF erfolgreich besteht. Für ihn wie für seine Gegner geht es dabei um weit mehr als um die Zukunft der Bahn. Die Öffnung der Märkte, die Globalisierung und auch die Rolle der EU, die die Bahnprivatisierung angestoßen hat, stehen auf dem Spiel. Also alles, für das Macron steht. Die Gewerkschaften sehen sich dagegen im Kampf gegen das Monster des Wirtschaftsliberalismus. Sie setzen dabei auf das Etikett des „Präsidenten der Reichen“, das sie Macron angeheftet haben und das er nun nicht mehr los wird. Nicht ganz zu Unrecht. Denn von seinem Wahlkampfmotto „Liberalisieren und Schützen“ blieb nach einem Jahr im Amt nur noch die erste Hälfte übrig.

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