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Theatersanierung: Herausforderung für die ganze Region - Kommentar

Theatersanierung: Herausforderung für die ganze Region - Kommentar

Wer das Theater Trier erhalten will, muss die Baufrage lösen. Ein Kommentar von Volksfreund-Redakteur Dieter Lintz.

Wer A sagt, muss auch B sagen. Trier hat im letzten Jahr den Fortbestand seines Theaters fast einstimmig beschlossen, unterstützt durch Zehntausende Unterschriften aus der ganzen Region. Klare Botschaft: Ein Theater mit verschiedenen Sparten und eigenem Ensemble ist für eine Stadt wie Trier und ihr Umland unverzichtbar.
Nun folgt die logische Konsequenz: Wer die Einrichtung will, braucht ein Gebäude, in dem sie sinnvoll und so effektiv wie möglich arbeiten kann. Das ist in dem jetzigen Gemäuer nicht möglich. Der Bau aus dem Jahr 1964 ist ein Fass ohne Boden, dessen pure Inbetrieberhaltung in den letzten Jahren Zigmillionen verschlungen hat.
Dazu kommt, dass die Zeiten, da die Besucher bei jedem Angebot brav den Riesensaal füllten, längst Vergangenheit sind. Das Publikum braucht Differenzierung. Das Große Haus kann man allenfalls noch mit Musical, Faust und Zauberflöte sicher füllen. Ein zusätzlicher kleiner Saal sichert das Überleben von Schauspiel, zeitgenössischem Musiktheater und innovativen Projekten. Und er erlaubt, wenn es geeignete Probebühnen im Haus gibt, den Verzicht auf enorm viel Auf- und Abbau samt zugehörigem Personalbedarf.
All das geht nicht, wenn man das jetzige Gebäude lediglich saniert. Es wäre geradezu sträflich, 22 Millionen Euro rauszuwerfen für kosmetische Operationen, die keine neuen, besseren Nutzungsoptionen schaffen. Das Trierer Theater muss fit gemacht werden für die Zukunft - das gilt für das Gebäude genauso wie für das künstlerische Angebot.
30 Millionen Euro - oder mehr - sind freilich ein ziemlicher Batzen Geld. Zumal, wenn man es gar nicht hat. Andererseits stecken Stadt und Land Jahr für Jahr fast 14 Millionen Euro in den Theaterbetrieb - das relativiert eine Bauinvestition, die einen festen Wert für ein halbes Jahrhundert schafft.
Ohne starke Hilfe aus Mainz geht ohnehin nichts. Das Land hat in Kaiserslautern ein neues Theater maßgeblich mitfinanziert und in Mainz eine mordsteure Sanierung spendiert - da wird man Trier nicht links liegen lassen wollen. Mit jedem Jahr Richtung Schuldenbremse wird es aber enger, und was nach 2016 passiert, steht ohnehin in den Sternen.
Tempo ist also gefragt, und gleichzeitig eine gründliche Prüfung aller Optionen - auch Richtung Public-Private-Partnership, auch in der Standortfrage. Das ist eine Herausforderung für die Verwaltung und den Rat. Aber auch die Chance, sich als Problemlöser zu profilieren.
Helfen können übrigens auch die politischen Vertreter der umliegenden Landkreise. Denn es sind ihre Bürger aus der Eifel, dem Hochwald oder von Saar und Mosel, die die Mehrheit der Theaterbesucher in Trier stellen. Da würde manchem Landrat ein bisschen mehr Bekenntnisfreude gut stehen.
d.lintz@volksfreund.de