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Unruhige Zeiten für Vorsitzende

Sigmar Gabriel ist auf dem Parteitag seiner SPD in Berlin abgestraft worden. Angela Merkel könnte das Anfang nächster Woche bei ihrer CDU in Karlsruhe auch noch bevorstehen. Werner Kolhoff

Es sind unruhige Zeiten für Vorsitzende. Weil es draußen unruhige Zeiten sind. Weil es eine Rückkehr des Politischen gibt, weil es wieder um große Probleme, große Emotionen und damit große Entscheidungen geht. In den Parteien wie im Volk.
Beide Vorsitzende der großen Volksparteien haben mit ihrer jeweiligen Basis zu kämpfen, allerdings aus sehr unterschiedlichen Gründen. Merkel ist vielen in ihrer Partei in der Flüchtlingsfrage zu links, viele wollen eine "Obergrenze". Gabriel ist seinen innerparteilichen Kritikern in der Flüchtlingsfrage und manchem anderen hingegen zu rechts. Und er hat eher wenig Führung gezeigt.
Vielleicht war das das Problem. Eine Partei braucht Richtung, Linie, Kurs, klare Kante. Gerade die SPD, die zwar Volkspartei ist, zu Teilen aber auch ein esoterischer Haufen, in dem einige Mitglieder fern jeglicher Realität manchmal ihre politischen Hobbys pflegen. Gabriel hat das laufen lassen, hat darin sein Erfolgsgeheimnis gesehen und sich als Mediator gefallen.
Sein schlechtes Wahlergebnis hat Gabriel vor Augen geführt, dass eine Partei wie die SPD das nicht dankt. Wenn er mehr sein will als ihr Grüß-August und Vizekanzlerkandidat zum Verheizen bei der nächsten aussichtslosen Wahl, muss er führen. Auch mit Risiko. Dann muss er die SPD konsequent als Partei der Mitte positionieren. Der Wahleklat von Berlin kam gerade zum richtigen Zeitpunkt. Man kann sich als Volkspartei ja auch mit 24 Prozent wohlfühlen. Alles in Ordnung, solange man wenigstens mitregieren kann. Die Gefahr liegt darin, dass man mit der Zeit immer anspruchsloser wird. Und auch sektiererischer. Gabriel ist jetzt wachgerüttelt. Ob auch seine Partei, muss sich erst noch zeigen.
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