Viel Vorschusslorbeer

Viel Vorschusslorbeer

Ursula von der Leyen hat ein treffsicheres Gespür für die eigene Vermarktung. Während sich die Öffentlichkeit noch am Neuigkeitswert der ersten Verteidigungsministerin in der Geschichte des Landes abarbeitet, reiste die "Mutter der Kompanie" mit großem medialen Gefolge nach Afghanistan, um den dort stationierten deutschen Soldaten unmittelbar vor Weihnachen ihre Aufwartung zu machen.


Fehlte eigentlich nur noch Johannes B. Kerner als persönlicher Betroffenheits-Befrager an ihrer Seite. Aber das wäre wohl des Guttenberg zu viel gewesen. Festzuhalten bleibt, dass sich der Neuigkeitswert um ihre politische Verwendung schnell abschleifen wird. Dazu sind die Probleme in der Truppe nämlich zu groß. Angefangen von der gescheiterten Drohnen-Beschaffung über mangelnde Sicherheitsausrüstung bis zur Reform einer reinen Berufsarmee, in der die Bundeswehr gerade steckt. In den letzten 13 Jahren haben die Soldaten immerhin sechs oberste politische Dienstherren gehen und kommen sehen. Scharping, Struck, Jung, Guttenberg, de Maizière und nun also von der Leyen. Von echter Vertrauensbildung kann da wohl kaum die Rede sein.
Umso mehr richten sich nun alle Augen auf sie. Dass von der Leyen über Durchsetzungsvermögen verfügt, hat sie schon oft bewiesen. Siehe Elterngeld oder Frauenquote in Führungspositionen. Allerdings reicht die Größe der neuen Aufgabe über von der Leyens bisheriges Schaffen deutlich hinaus. Immerhin steht sie jetzt einer 180 000 Frau und Mann starken Armee vor.
Und da geht es auch um Leben und Tod. Siehe Afghanistan. Schon ihr nächster Besuch dort könnte zeigen, was die vielen politischen Vorschusslorbeeren wert waren.

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