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Meinung
Vom Landwirt zum Bittsteller: Dieser Zustand ließe sich ändern

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Berlin. Der Raps ist staubtrocken, die Ernte akut in Gefahr, und mancherorts müssen Tiere längst notgeschlachtet werden, weil es an Frischfutter fehlt. Keine Frage, das Dürre-Jahr 2018 ist für viele Landwirte in Deutschland zu einem schrecklichen Albtraum geworden. Von Stefan Vetter

Ohne rasche Hilfe, so hat der Bauernverband jetzt zu Recht gemahnt, dürften zahlreiche Höfe vor dem Ruin stehen. Eine Milliarde Euro könnte hier für Abhilfe sorgen. Das ist zweifellos eine plakative Größenordnung, aber wohl auch nicht ganz weltfremd, wenn man bedenkt, dass die Ernteausfälle bei Landwirten vor allem im Norden und Osten Deutschlands mittlerweile 50 Prozent und mehr erreichen. Besonders dramatisch ist die Lage übrigens für Öko-Bauern, schon, weil sie kein konventionelles Futter zukaufen können.

Die Bundesregierung indes ist von Tatkraft weit entfernt. Sie sieht keinen Grund zur Eile und verweist zur Abschätzung der Schäden auf den Erntebericht, der erst Ende August erscheint. Warum eigentlich so spät, wenn die Not-Ernten doch beinah schon vor dem Abschluss stehen? Hier müssen die Agrar-Fachleute von Bund und Ländern, die an diesem Dienstag zu einem Krisentreffen zusammenkommen, Druck machen. Eine aussagekräftige Bestandsaufnahme sollte frühzeitig möglich sein. Im Interesse der geschädigten Bauern wäre das allemal.

Und noch etwas stimmt politisch bedenklich: Seit vielen Jahren wird nun schon über eine sogenannte Risikoausgleichs-Rücklage diskutiert, durch die Bauern in guten Erntejahren mittels Steuernachlässen ein Finanzpolster für wetterbedingte Ertrags- und Gewinnausfälle bilden könnten. Die Agrarminister von Bund und Ländern machen sich unisono dafür stark. Doch das Bundesfinanzministerium mauert offenbar wegen der entstehenden Einnahmeausfälle.

Dabei wäre gerade eine solche Rücklage sehr vernünftig. Geschädigte Landwirte müssten dann nämlich keine Bittsteller mehr sein – so wie in diesen Tagen des katastrophalen Erntejahres 2018.

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