Vorhang noch nicht geschlossen

Vorhang noch nicht geschlossen

Und so sehen wir betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen. In abgewandelter Form passt das Brecht-Zitat auch auf die gestern überraschend vorgelegten Ergebnisse zu den Vorfällen im Hillesheimer Pflegeheim Katharinenstift.

Die Erkenntnisse der Mainzer Rechtsmediziner machen in der Tat betroffen. Eine, wie die Experten selbst sagen, "banale Infektion" soll schuld an dem Tod von elf Bewohnern sein. Eine Infektion, wie sie immer wieder in Heimen auftreten kann. Doch selten kommt es dann zu einer solchen Häufung von Todesfällen wie in Hillesheim. Betroffen macht aber auch, dass die genaue Ursache für die Krankheitswelle trotz der dreimonatigen umfangreichen Untersuchungen noch immer nicht zweifelsfrei feststeht. Auf eine bestimmte Infektion legen sich die Experten nicht fest. Das ist unbefriedigend, für die Angehörigen und auch für die Heim-Verantwortlichen.

Es sind in der Tat auch weiterhin Fragen offen: Warum hat keiner der bei den ersten Untersuchungen damals hinzugezogenen Experten stichfeste Hinweise auf eine Infektion gefunden? Erst dadurch kamen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ins Rollen. Sicherlich haben die Rechtsmediziner sorgfältig und nach neuesten Methoden nach den Todesursachen gesucht. Aber warum hat es letztlich drei lange Monate gedauert, um festzustellen, was man eigentlich hätte schon in den ersten Tagen hätte wissen können?

Gut ist, dass die im Raum stehenden Vorwürfe gegen die Hillesheimer Einrichtung nun vom Tisch sind, die Mitarbeiter nicht mehr unter Verdacht stehen. Daher ist der Fall auch für die Staatsanwaltschaft, was die Spekulationen über das Hillesheimer Heim angeht, abgeschlossen. Doch die Angehörigen und die Heimverantwortlichen haben ein Recht darauf, endlich Klarheit zu bekommen. Erst dann darf sich der Vorhang schließen.



b.wientjes@volksfreund.de

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