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Die Woche im Blick
Busfahren leicht gemacht

FOTO: TV / Friedemann Vetter
Wie werden wir in 10 oder 20 Jahren unterwegs sein? Es ist abzusehen: Der Verkehr der Zukunft wird ein ganz anderer als heute sein – und doch wird nicht alles neu.

Das Auto etwa wird weiter eine Rolle spielen, gerade in einer Region wie unserer. Es wird aber ein anderes sein, als wir es heute kennen. Das autonome Fahren sorgt für mehr Sicherheit. Ich gebe offen zu: Ich liebe es, selbst Auto zu fahren. Ich mag es, alles bestimmen zu können. Aber wer einmal in einem Auto saß, das selbstständig gebremst hat, weil man etwas übersehen hat, oder einmal durch den automatischen Spurhalteassistenten auf die richtige Bahn geleitet wurde, wird die neue Technik viel positiver sehen. Und der Gedanke von einem Auto, das Menschen, die nicht alleine fahren können, selbstständig von A nach B bringt, verspricht Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben für Jung und Alt.

Klar ist aber auch, dass der öffentliche Nahverkehr eine größere Rolle spielen muss. Die Bündelung des Verkehrs ist wichtig – einerseits aus Umweltschutzgründen, andererseits, um den Verkehrskollaps zu vermeiden. Ganz nebenbei: Umweltfreundlicher sind Bus und Bahn im Vergleich nur bei entsprechend angepassten Zug- und Busgrößen und bei modernen Antrieben. Es sind also viele Faktoren zu berücksichtigen, um einen Verkehr zu ermöglichen, der einerseits alle mobil macht und andererseits sicher und nachhaltig ist.

In unserem System mit Zuständigkeiten bei Bund, Ländern und Kommunen gibt es aber weitere Faktoren, die bei Bus und Bahn berücksichtigt werden müssen. In dieser Woche haben fünf Oberbürgermeister aus rheinland-pfälzischen Städten, darunter Triers OB Wolfram Leibe, mehr Unterstützung beim Ausbau des Nahverkehrs gefordert. Sie verlangen vom Land, diesen zur Pflichtaufgabe zu machen – ein berechtigtes Anliegen, das auch der Trierer Stadtrat eingefordert hatte. Denn die Einstufung als freiwillige Leistung macht es schwer, diese Zukunftsaufgabe anzugehen. Trier etwa finanziert durch den Verkehrsverbund Region Trier (VRT) den Verkehr in den Kreisen mit. Die Folge: In der Stadt werden die Tickets immer teurer. Würden Bustickets günstiger verkauft, müsste Trier die Verluste ausgleichen. Das wäre aber in der hoch verschuldeten Stadt gar nicht möglich – diese freiwillige Leistung würde nicht genehmigt. Trier ist übrigens nicht alleine mit seinem Anliegen. Der Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm und VRT-Zweckverbandsvorsitzende Joachim Streit kann sich nur bei einer Einstufung als Pflichtaufgabe einen großen Ausbau des Angebots vorstellen.

An diesem Beispiel zeigt sich: Für den Verkehr der Zukunft ist es entscheidend, dass künftig weniger über Formalien diskutiert werden muss. Wichtiger ist, wer den großen Plan entwirft, der Bus und Bahn, der Fahrradfahrer, Fußgänger und Autofahrer, aber auch Fahrzeuge wie E-Scooter im Blick hat. Das muss bei Bund, Ländern und Kommunen Chefsache sein – und darf etwa nicht noch zwischen Umwelt-, Verkehrs- und Innenministerien ausgebremst werden.

t.roth@volksfreund.de