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Warum die Aussagen der Ring-Manager mit Vorsicht zu genießen sind

Warum die Aussagen der Ring-Manager mit Vorsicht zu genießen sind

Die Botschaft klingt erstaunlich nach all den Prophezeiungen von einem "Millionengrab": Am Nürburgring wird Geld verdient. Und zwar nach Ansicht der privaten Betreiber der Anlagen so viel, dass die jährlich zu zahlende Pacht an die landeseigene Nürburgring GmbH erwirtschaftet wird.

Diese braucht die Einnahmen dringend, um Zinsen und Tilgung für ihre Kredite zu bezahlen. Immerhin hat das umstrittene Freizeit- und Geschäftszentrum, das die ganze Misere in der Eifel ausgelöst hat, 330 Millionen Euro gekostet.

Man könnte angesichts steigender Umsätze und Gewinne meinen, alles sei gut. Ist es aber nicht. Die entscheidende Frage lautet, wer davon profitiert. Einerseits müssen die Verheißungen der Ring-Manager insofern bezweifelt werden, als sie nach Auskunft des Landes bislang kaum Pacht gezahlt haben, was sie bestreiten. Hier schwelt der Streit um jährlich 3,2 Millionen Euro, den wohl nur ein Gericht klären kann. Bis es soweit ist, schaut das Land in die Röhre.

Andererseits beschwören die Ring-Manager die komplette Privatisierung, am liebsten unter ihrer Verantwortung - sie sind aber nicht bereit, die Gebäude zu kaufen. Dahinter könnte man die Absicht vermuten, auf Kosten der Allgemeinheit zu verdienen. Schließlich hat das Land über diverse Töchter die Anlagen errichtet. "Richtige" Unternehmer investieren zunächst, ehe sie Gewinne erzielen. Jörg Lindner und Kai Richter hatten das weder groß nötig, noch haben sie das vor. Sie machen sich damit ein Stück weit unglaubwürdig.

In einem wesentlichen Punkt haben die beiden Geschäftsmänner allerdings recht: Über kurz oder lang muss der Nürburgring entstaatlicht werden, wenn er wirtschaftlich dauerhaft erfolgreich sein soll. Jahrzehntelang hatte das Land das Sagen, und die Eifel-Rennstrecke musste vom Steuerzahler subventioniert werden, was die Brüsseler EU-Wettbewerbshüter auf den Plan gerufen hat. Grundsätzlich ist der Staat nicht für Rennstrecken, Hotels oder Gastronomie zuständig. Er hat andere Aufgaben. Er muss sich um Kindergärten, Schulen, Straßen und Universitäten kümmern.

Daraus folgt, dass die Politik, also Rot-Grün in Mainz, die Dinge so ordnen muss, dass sie die Verantwortung für den Ring mittelfristig in private Hände legt. Die Grünen scheinen das eher erkannt zu haben als die SPD, die weiterhin von Strukturpolitik spricht. Eines sollten die Politiker dabei wissen: Egal, welcher Geschäftsmann für welche Teilbereiche der Eifel-Rennstrecke verantwortlich ist, möglicherweise auch für den ganzen Ring, er wird das gleiche Ziel verfolgen wie Jörg Lindner und Kai Richter: Geld zu verdienen.
f.giarra@volksfreund.de