1. Meinung

Warum Journalismus wichtig ist

Die Woche im Blick : Journalismus - frei und wertvoll

Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit gab es wenig Grund zu Feiern: Nicht nur in autokratisch geführten Ländern, auch in Ländern Europas und den USA werden Journalisten in ihrer Arbeit eingeschränkt, teils verfolgt.

In Deutschland sieht es immer noch sehr gut aus. Platz 13 von 180 Ländern ist kein Grund zum Jubeln, aber eben nicht besorgniserregend. Journalisten können bei uns meist sicher arbeiten. Sie können als kritische Begleiter und Wächter agieren – dabei müssen sie es übrigens aushalten, nicht nur Applaus zu erhalten. Es gibt Politiker, die Journalisten kritisieren, weil sie ihnen nicht nach dem Mund schreiben. Und es gibt Menschen, die sie angreifen, weil sie eine andere Meinung als ihre eigene vertreten. Das alles ist aber kein Problem, solange Journalisten sich nicht beugen. Es bleibt dabei: Wer diesen Beruf ergreift, muss einen eigenen Kopf besitzen, er muss standfest sein. Gerade in Zeiten, in denen Medienunternehmen den Wandel schaffen müssen, in denen Digitales und Analoges, Online und Print, gleichermaßen im Blick sind, ist es wichtig, für guten Journalismus zu kämpfen. Jeder Verlag, jedes Medienhaus muss dabei für sich entscheiden, was ihm wichtig ist.

Ein kurzer Blick auf den Volksfreund: Wir wollen das Medium in der und für die Region sein. Wir wollen die großen und kleinen Themen für Sie aufbereiten. Sich leidenschaftlich für die eigene Heimat einzusetzen, ist dabei kein Problem, sondern Anspruch. Wichtig ist dennoch immer der Blick fürs Ganze, das Kirchturmdenken auszuschalten und die Grundtugenden des Journalismus zu beachten. Etwa alle Seiten zu Wort kommen lassen, etwa Quellen, wo immer es geht, offenzulegen, aber auch Fehler zuzugeben – das gilt übrigens alles für Print und Online zugleich. Geschwindigkeit ist relevant, doch Zuverlässigkeit geht vor. Unabhängiger Journalismus ist notwendig – davon sind wir überzeugt. Und er muss uns etwas wert sein. Nur so ist es möglich, Lokaljournalismus zu erhalten. Nur so ist es möglich, als faire und aufmerksame Beobachter tätig zu sein. Es ist gut, dass die meisten Politiker dies ebenso sehen wie die Vertreter der Wirtschaft, der Kirchen, der Gewerkschaften, die Ehrenamtlichen, ganz allgemein gesagt: die Bürger in unserer Region.

Mit Blick nach vorne ist es aber notwendig, die Herausforderungen klar zu nennen. Ja, es ist wichtig, jungen Menschen zu sagen, dass sie ihre Daten, ihre Fotos nicht zu leichtfertig teilen sollen. Es ist aber genau so wichtig, wirkliche Medienbildung zu betreiben. Ganz offen: Den Hinweis, dass Bilder von Halbnackten oder Nackten nicht online gestellt werden sollen, sollten Eltern geben können, dazu müssen sie keine Digitalexperten sein. Zur Medienbildung gehört aber, Schülern zu erklären, woher die Nachrichten in den sozialen Netzwerken kommen, was seriöse Medien und Propagandasender wie RT unterscheidet, schlicht: Lügen und Fake News von ernsthafter Berichterstattung zu trennen. Ein solcher Unterricht kommt leider oft zu kurz. Und das ist eine Gefahr: für die Pressefreiheit, für die Meinungsvielfalt und damit für unsere Gesellschaft.

t.roth@volksfreund.de