Weltwirtschaft am Kipp-Punkt

Weltwirtschaft am Kipp-Punkt

Nicht ohne Grund hatte China die größte Angst vor einem amerikanischen Kollaps. Denn beide Staaten hängen aneinander wie zwei Betrunkene.

Die USA, größter Schuldner der Welt, und China, sein Gläubiger. Nun können sie beide weitersaufen.
Die Schuldenerhöhung schafft weitere Jahre Luft. Doch nach der Krise ist vor der Krise. Die USA bleiben das Land des hemmungslosen Konsums von Gütern, Ressourcen und Zukunft. Ein Land, das stolz ist auf seine gigantischen Militärausgaben und das seine soziale Ungerechtigkeit fast zur Ideologie erhoben hat. Amerikas Wohlstand basiert auf sozialem und ökonomischem Verschleiß.
China ist der perfekte Partner für diesen Lebensstil. Seine Losung lautet: Wachstum um jeden Preis, weil nur so die Armen vom Lande stillhalten. Weil nur so die kommunistische Partei ihren Machtanspruch legitimieren kann, ohne in ein offenes Militärregime abzugleiten. Also werden Natur und Gesundheit rücksichtslos ausgebeutet. China ist reich - solange Amerika seine Schulden bezahlt. Fällt Amerika aus, fällt auch das chinesische System. Dann war alles nur Papiergeld. Chinas Ökonomie basiert auf dem Verschleiß von Menschen und Umwelt.
Diesen beiden folgen weitere wankende Gestalten. Zuerst Deutschland, das eine hübsche Kombination darstellt. Ebenfalls überschuldet bis über die Ohren, aber nicht ganz so schlimm wie die USA. Ebenfalls Export-Supermacht, aber nicht ganz so einseitig davon abhängig wie China. Auch Deutschland schleppt schwere strukturelle Probleme mit sich herum. Zum einen den immer noch zu schwachen Binnenmarkt. Vor allem aber das trotz wachsender Vermögen und steigender Alterung weiterhin allein auf Arbeitseinkommen basierende Sozialsystem. Es wäre mit einem Einbruch des Exports und zunehmender Arbeitslosigkeit infolge einer US-Großkrise sofort betroffen. Deutschland, so wie es gebaut ist, braucht auf Gedeih und Verderb stabile Partner in der Welt.
Durch den Schuldenpoker von Washington, der in Wirklichkeit nur eine parteipolitische Auseinandersetzung von niedrigstem Verantwortungsniveau war, haben alle Akteure eine neue Ahnung von der Labilität bekommen, in der sich die Weltwirtschaft seit geraumer Zeit bewegt. Die Finanzkrise 2008 war nur ein erster Warnschuss. Es wird in der nächsten Zeit keine wirkliche Stabilität mehr geben. Nicht solange die wichtigsten Volkswirtschaften der Erde auf ein Wachstum setzen, das die rücksichtslose Ausbeutung von Ressourcen und Bevölkerung braucht und das von Spekulationsblasen lebt. Aber eine Änderung ist nicht in Sicht. Weder in Amerika noch in China und auch nicht in Deutschland.

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