Wer A sagt, muss auch B sagen

Wer A sagt, muss auch B sagen

Zwei Haken hat die Idee eines Kernabiturs in Deutsch, Mathe und Englisch: Drei Prüfungen an einem Tag abzulegen, ist Unsinn und für Schüler unzumutbar. Und wenn die Ergebnisse nur zehn Prozent der Abiturnote ausmachen sollen, stellt sich tatsächlich die Frage, ob sich der immense Aufwand überhaupt lohnt.

Grundsätzlich aber gilt: Ein Kernabitur wäre eine beachtliche Revolution in der föderal verkrusteten Bildungsrepublik Deutschland. Freilich müsste dafür auch länderübergreifend die Qualität der schulischen Lehre auf den Prüfstand gestellt und angepasst werden. Genau da fangen die Probleme an.
Es gibt bundeseinheitliche Standards auf dem Weg zum Abitur. Sie sind aber keine gemeinsamen Lernpläne, wie man meinen könnte, sondern sie beschreiben, welche Ergebnisse erreicht werden sollen. Wenn man sich also daran erinnert, dass erst der Pisa-Schock die Kultusminister mehr schlecht als recht dazu gebracht hat, solche Standards auf den Weg zu bringen, weiß man, dass einheitliche Lernpläne eine Utopie sind. Ohne sie funktioniert ein Kern-Abi jedoch nicht.
Hinzu kommt noch etwas anderes: Wer A sagt, muss auch B sagen. Ein Zentralabitur wäre irgendwann zwangsläufig die Folge. Das scheuen die Kultusminister wie der Teufel das Weihwasser. Es gibt viele gute Argumente dafür - Leistung wäre vergleichbarer oder es gebe endlich verbindlichere Lehrpläne und damit auch geringeren Unterrichtsausfall. Genauso jedoch gibt es gute Argumente dagegen: Schlechtere Schüler würden schlechter, im Klassenzimmer fänden kaum mehr Innovationen statt und einheitliche Prüfungstermine wären wegen der Ferien eher unmöglich. Weil die Debatte so kompliziert und vor allem wenig föderal ist, ist ein Zentralabi nicht durchsetzbar - das Kernabitur damit leider auch nicht.
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