1. Meinung

Widerstand zwecklos

Widerstand zwecklos

Frankreich hat Nägel mit Köpfen gemacht: In Bure, am Rande der Großregion, entsteht das erste Atommüll-Endlager in Frankreich und das erste in Europa. Überraschend ist das nicht.

Seit langem wurde darüber spekuliert, dass das angebliche Labor, in dem seit 1994 in 500 Meter Tiefe erforscht worden ist, ob sich der strahlende Abfall aus den französischen Atomkraftwerken in Tongestein lagern lässt, längst die Vorstufe für ein Endlager ist. Die Befürchtungen der Kritiker, von denen es in der Atomnation Frankreich nur wenige gibt, haben sich bestätigt. Zwei Stunden von Trier entfernt wird ab 2025 radioaktiver Müll unter der Erde gelagert. Ob tief genug, wird sich erst noch zeigen. Wirkliche Erfahrung mit der Lagerung von Atommüll hat bisher noch kein Land. Trotz der jahrelangen Forschung in den Stollen von Bure bleibt ein ungutes Gefühl. Denn ein tatsächlich unabhängiges Gutachten über die Eignung des Tongesteins im lothringischen Boden gibt es nicht. Auch die Beteiligung deutscher Forscher muss eher als interessengesteuert betrachtet werden. Seit über 30 Jahren ist man in Deutschland auf der erfolglosen Suche nach einer Lagerstätte für strahlenden Müll. Da kam das Projekt in Bure gerade recht, um herauszufinden, ob nicht vielleicht auch in Deutschland der Abfall aus den Kernkraftwerken in Tongestein gelagert werden kann. In Frankreich hat man von jeher blind der Atomkraft vertraut. Eine nennenswerte Kritik daran gab und gibt es nicht - trotz der von Präsident François Hollande angekündigten Energiewende. Die setzt, anders wie in Deutschland, weiterhin auf Atomkraft. Und deswegen braucht Frankreich ein Endlager. Denn wie sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann: "Irgendwo muss das Zeug ja hin." In Frankreich ist es Bure.
Das nun begonnene Anhörungsverfahren dürfte wohl kaum dazu führen, dass das geplante Projekt ernsthaft gefährdet wird. Es ist ehrbar, dass Rheinland-Pfalz, Luxemburg und das Saarland gemeinsam die Sicherheit der Anlage und das mögliche Risiko überprüfen lassen wollen. Doch selbst wenn das Gutachten zu dem Schluss kommen sollte, dass Bure ein Sicherheitsrisiko wird, würde das in Frankreich vermutlich kaum zur Kenntnis genommen. Das hat sich kürzlich erst bei dem Stresstest des Atomkraftwerks Cattenom gezeigt, bei dem ebenfalls die drei Länder eine eigene Bewertung in Auftrag gegeben haben. Gejuckt hat das in Paris niemanden. Cattenom ist weiter am Netz und wird es für die nächsten Jahre bleiben. Und so werden deutsche Gutachten und deutscher Protest das Lager in Bure nicht verhindern.
b.wientjes@volksfreund.de