Zeitenwende bahnt sich an

Zeitenwende bahnt sich an

Der Ausbildungsmarkt in der Region Trier ist etwas Besonderes. Seit Jahren gelingt es der Wirtschaft und der Agentur für Arbeit, dass alle Jugendlichen, die sich ernsthaft um einen Ausbildungsplatz bemühen, auch eine Lehrstelle bekommen.

Bis zu 300 jugendliche Bewerber waren dabei oft Ende Oktober noch zu versorgen. Bei der Chancen-Börse, einer gemeinsamen Aktion von Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und Agentur für Arbeit, wurden die letzten Suchenden eingeladen und dank persönlicher Betreuung meist in Ausbildung gebracht. Auch in diesem Jahr wird den "Unversorgten" diese Hilfe wieder zugute kommen.

Doch am Ausbildungsmarkt macht sich in diesem Jahr auch eine Zeitenwende bemerkbar. In Zukunft werden es Unternehmen immer schwerer haben, genügend Nachwuchs zu finden. Dabei droht der Wirtschaft das Schicksal, von zwei Seiten eingekesselt zu werden. "Die einen sind sich zu gut für eine Ausbildung, die anderen sind nicht gut genug dafür", hat ein Unternehmer sich jüngst frustriert geäußert und damit die prekäre Situation auf den Punkt gebracht. Einerseits werden nämlich die Ansprüche der Betriebe immer höher. Nicht von ungefähr kommen die hohen Abbrecherzahlen. Bis zu 30 Prozent der Lehrlinge stehen in einzelnen Branchen die Ausbildung nicht durch, zum Teil, weil sie nicht mitkommen, zum Teil, weil sie nicht entsprechend betreut werden. Hier kann die Arbeitsagentur mit ihren Instrumenten helfen. Doch Politik, Schule, Betriebe und Kammern müssen weiter daran arbeiten, dass möglichst alle Jugendliche "ausbildungsreif" werden.

Zweitens gehen immer mehr Jugendliche auf weiterführende Schulen. Haupt- und Realschule führen nicht mehr - wie früher - direkt in die Ausbildung. Damit geht die klassische Klientel für die Lehre verloren.

Nun könnte die Wirtschaft sicher trefflich über Bildungsdefizite und die Bildungspolitik der Landesregierung wettern, doch damit lässt sich der Trend nicht umkehren. Deshalb müssen die Betriebe noch stärker für sich werben, Chancen aufzeigen, die sich Jugendlichen bieten, Perspektiven und Möglichkeiten. Auf der anderen Seite müssen Eltern und Jugendliche die Fähigkeiten richtig einschätzen. Nicht jeder eignet sich für ein Studium. Und das Abitur ist nicht immer der Schlüssel für beruflichen Erfolg und persönliche Zufriedenheit.

Diese neue Balance müssen alle Teilnehmer wohl noch finden. Und dabei ist es wichtiger denn je, dass niemand verloren geht, damit die Region ihre besondere Position halten kann.

h.waschbuesch@volksfreund.de