Kommunalreform: Doch noch etwas Spannung im Kreis

Kommunalreform: Doch noch etwas Spannung im Kreis

Lange hat es so ausgesehen, als ginge die Kommunalreform die Bürger im Landkreis Trier-Saarburg so gut wie nichts an. Während sich in der Eifel Verbandsgemeinden wie Manderscheid oder die Obere Kyll heftig Gedanken über ihre Zukunft machten, Bürger befragten, Gutachten in Auftrag gaben, sich die VG Neumagen-Dhron an der Mosel gar auflöste, passierte im Kreis rein gar nichts – außer, dass die VG Schweich mit Trittenheim sogar noch ein Eckchen von der aufgelösten Mosel-VG mitbekam.

Fast alle in Sicherheit: Tatsächlich konnten sich Verbandsgemeinden rund um Trier auch in Sicherheit wiegen. Laut dem Landesgesetz zur Kommunalreform müssen Verbandsgemeinden 12.000 Einwohner haben, um auch in Zukunft leistungsfähig zu sein. Ausnahmen gelten für Verbandsgemeinden mit mindestens 10.000 Einwohnern und einer Fläche von mehr als 100 Quadratkilometern und mehr als 15 Ortsgemeinden.

Damit sind alle Verbandsgemeinden aus dem Kreis aus dem Rennen - bis auf die VG Kell am See. Sie erfüllt von diesen drei Kriterien nur eins: Sie ist 163 Quadratkilometer groß. Es gibt dort aber nur 13 Ortsgemeinden, in denen 9600 Einwohner leben.

Lange Zeit machten sich die Keller dennoch keine großen Gedanken in Sachen Kommunalreform, denn Bürgermeister Werner Angsten bezog sich auf eine weitere Ausnahme im Gesetz: Als besonderer Grund für ein Weiterbestehen der VG ist die unmittelbare Lage an der Grenze zu einem Nachbarland genannt. Ein Argument freilich, auf das sich die Obere Kyll an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen noch nie bezogen hat. Und das auch heftig am Bröckeln ist, seit ein Ministeriumssprecher Anfang Oktober dem TV erklärte, es sei fraglich, ob allein dieser Grund - die Grenzlage - ausreiche als Argument für den Fortbestand der VG Kell am See.

Keine Lust auf Gespräche: Nun sucht die VG heftig nach Argumenten für ihren Fortbestand - die sie nach Mainz übermitteln will. Zugleich betont der VG-Rat, er wolle die Eigenständigkeit behalten. Ein Gesprächsangebot des Hermeskeiler VG-Bürgermeisters Michael Hülpes schlägt der Keller VG-Rat aus, und auch die vom TV in dieser Woche befragten Ortsbürgermeister lassen keine große Neigung zur Veränderung erkennen.

Wenn sich das bloß mal nicht rächt! Denn klar ist: 2012 ist Schluss mit der Freiwilligkeitsphase, dann entscheidet das Land, welche Kommunen Zwangsehen eingehen müssen. Ob dann noch große Wünsche geäußert werden können, ist fraglich. Genau diese Wünsche dürfte es aber geben - schließlich tendieren die Gemeinden im Raum Zerf - dem ehemaligen Amt Saarburg-Ost - sicherlich eher wieder in diese Richtung, und einige Dörfer sehen sich sicher besser in der VG Ruwer aufgehoben als bei den eher ungeliebten Hermeskeilern.

Statt sich weiter einzuigeln und auf den Fortbestand zu hoffen, sollten die Keller also lieber schnellstens beginnen, einen Plan B zu entwickeln. Zumindest für einige Verbandsgemeinden wird die Kommunalreform damit doch noch einmal spannender als erwartet. m.schmitz@volksfreund.de

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