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Kunstgeschichte(n)

Sonneneinfall auf meinen Farbkasten
Sonneneinfall auf meinen Farbkasten FOTO: Elfriede Kretzer
Erde und Gemütlichkeit: Was die Farbe Braun bedeutet Eva-Maria Reuther

Lena und Moritz waren mit Opa im Wald. "Schau mal, Mama, was wir gesammelt haben", rufen sie und stürmen ins Wohnzimmer. "Ich sehe vor allem Blätter und Erdklumpen auf dem Teppich", sagt Mama streng. "Ihr sollt die Gummistiefel doch vor der Tür ausziehen." Opa kommt Lena und Moritz zur Hilfe. "Braun ist die Farbe der Erde. Da siehst du, wie naturverbunden die beiden sind."

Stimmt. Braun vermittelt uns als Farbe des Erdbodens ein Gefühl von Natur und Ursprünglichkeit. Deshalb kaufen sich auch Leute, die besonderen Wert darauf legen, ganz nah an der Natur zu sein, gerne braune Ledertaschen oder -sofas.
Auch die Maler benutzen seit etwa 200 Jahren die braune Farbe der "Mutter Erde", wenn sie Gemütlichkeit, Wärme oder das Gefühl von Heimat darstellen wollen. Außerdem ist Braun die Farbe der Lebenserfahrung und Reife. Das kommt vom Herbst. Denn der Herbst ist nicht nur die Zeit im Jahr, in der die Blätter braun werden. In dieser Zeit reifen auch die Früchte.

Braun ist keine reine Farbe. Sie entsteht, wenn man Orange oder Rot mit Grün mischt. Durch weitere Farben wie Schwarz oder Blau kann man den Farbton verändern. Braun ist keine leuchtende, sondern eine sogenannte gebrochene Farbe. Lange Zeit galt sie als ausgesprochen hässlich. Reiche Leute trugen keine braunen Kleider. Nur Bauern, Dienstboten, Bettler und arme Mönche waren in braune Kittel gekleidet, die ganz schnell schmutzig aussahen. Anders als heute war es auch nicht schick, braune Haut zu haben. Vornehme Menschen wollten weiß und blass aussehen. Sie wollten zeigen, dass sie nicht wie die sonnenverbrannten Bauern und Gärtner draußen arbeiten und zu Fuß gehen mussten. Sie konnten sich ja Personal und einen Wagen leisten.
Auch die Herstellung der Farbe war eher unappetitlich. Sie wurde aus Erde, den Beuteln von Tintenfischen und sogar aus dem Pulver zerriebener ägyptischer Mumien gemacht, die aus Gräbern gestohlen wurden. Ziemlich eklig also. Gott sei Dank kann man es sich heute mit Braun richtig gemütlich machen, zum Beispiel mit einer heißen Schokolade.