1. Meinung

Forum: Boah ey! Sagen, was Sache ist, oder: Von der Ehre, ein Ehren-Ruhri zu sein ...

Forum : Boah ey! Sagen, was Sache ist, oder: Von der Ehre, ein Ehren-Ruhri zu sein ...

Ich bin gerührt. Ehrlich. Ich bin jetzt nämlich ein Ehren-Ruhri. Ein Ehren-Ruhri?! Wasndasn? Augenblick, gleich mehr dazu.

Das Schöne am Journalismus ist ja, dass nie Langeweile aufkommt. Jeder Tag bringt unglaubliche Überraschungen, jeder Tag bringt verrückte Nachrichten, jeder Tag bringt erstaunliche Erkenntnisse. Und es gibt nichts, was es nicht gibt.

Einfach spektakulös. Das, was passiert, und das, was passiert, wenn über das, was passiert, berichtet wird, wenn davon erzählt wird, wenn darüber diskutiert wird – mit anderen Worten: was selbst klitzekleine Kolumnen wie diese beim hochverehrten Publikum (also Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser) auszulösen vermögen.

Die einen lachen, die anderen weinen. Manche schimpfen wie die Rohrspatzen, manche machen einen Heiratsantrag ...

Genug der Vorrede. Winfrid Heinen aus Leiwen, 79 Jahre jung, Journalist, Autor, Unternehmer, Erfinder, Traubenkern-Guru, Weinkenner, Weltverbesserer und treuer Volksfreund-Leser, geboren und aufgewachsen in Essen, vor Jahrzehnten an die Mosel gezogen, hat mich zum Ehren-Ruhri gekürt.

Ich bin baff.

In der Urkunde, die er mir überreicht hat, findet sich die Erklärung: „Ruhrgebietsmenschen, die sich selbst gern Ruhris nennen, sind stolz darauf, die Dinge des Lebens ohne Umschweife, Schönreden, Verdrängen und Auf-die-lange-Bank-Schieben nach klassischer Ruhri-Devise ,Sagen, was Sache ist’ direkt und geradlinig anzupacken. Peter Reinhart ist in mehr als 600 Folgen seiner Kolumne Forum auch bei kritischen Themen [...] seinem Schreibstil klarer Aussagen und deutlich definierter, journalistischer Ethik treu geblieben. Offensichtliche Leitlinie des Autors sind Wahrheit [...] und Klarheit. [...] Da er sich – mit hoher sprachlicher Qualität, gelegentlich wortschöpferisch, aber immer treffend auf den Punkt gebracht – sowohl durch Geradlinigkeit als auch durch Herz und Verstand auszeichnet, wird Peter Reinhart hiermit zum Ehren-Ruhri ernannt.“

Hmm. Ich schweige ergriffen und überlasse Winfrid Heinen das Terrain. Auszüge aus seiner Laudatio:

„Die Faszination des Gedruckten ist das, was Peter Reinhart und mich verbindet – und offensichtlich allen Menschen nutzt: Europäische Leseforscher haben Studien mit 170 000 Teilnehmern in 30 Ländern ausgewertet – mit einem eindeutigen Ergebnis: Gedruckte Information wird wesentlich besser aufgenommen, verarbeitet und verinnerlicht als Display- oder Bildschirmtext. Der für seine Weisheit geachtete 83 Jahre alte Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa, der auch mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, hat die positive Wirkung des Gedruckten aus eigener Autoren-Erfahrung in einem Kernsatz auf den Punkt gebracht: ,Lesen ist ein Motor des Fortschritts.’

Gedrucktes von Peter Reinhart begeistert Leserinnen und Leser durch den großen Wortschatz, der von Wörtern gehobener Sprache bis zu umgangssprachlichen Formulierungen reicht, sowie durch originelle Wortschöpfungen wie in der Forum-Folge 609 mit dem Titel ,Sozialer Klebstoff’. Da geht es um Pressetexte zum Klatsch über Promi-Lieben und -Dramen: ,Herzschmerzschluchz’ ist das Kennwort, mit dem Peter Reinhart Reaktionen bei der Lektüre definiert.

Ob Klatsch oder ernsthaft-strittige Themen wie Klimawandel oder wachsende Hass- und Gewaltbereitschaft – Geradlinigkeit ist publizistische Leitlinie aller Reinhart-Foren.

,Sagen, was Sache ist’ gilt im Ruhrgebiet als wichtige Grundlage menschlichen Miteinanders. Eine Anekdote zu diesem Leitsatz: Als junger Journalist habe ich mich mit Elke Heidenreich in Essen über die Besonderheiten der Menschen aus dem Revier unterhalten. Jahre später, als ich an der Mosel wohnte und Elke Heidenreich in Baden, inzwischen unter anderem als Komödiantin (Else Stratmann) und Autorin berühmt geworden, hörte ich in einem Radio-Interview mit ihr die Frage, ob sie nach ihrem Umzug an den Rhein etwas vermisse. Ihre Antwort: ,die Direktheit der Ruhrgebietsmenschen’.

Mit dieser Geradlinigkeit formuliert: Ich freue mich Woche für Woche auf die Lektüre des Forums, das informativ, verständlich und impulsgebend ist. Mein Kommentar nach Ruhri-Art: Boah ey!

Und so überreiche ich – vor ernstem Hintergrund, aber mit ein wenig Spaß – meine Ruhri-Ehrenurkunde, die schon Politikerinnen und Politiker erhalten haben, mit herzlichem Glückauf zum ersten Mal an einen Publizisten: an Peter Reinhart.“

Ich danke, lieber Herr Heinen, zu viel der Ehre, zu viel – ausnahmsweise bin ich sprachlos ...

Beste Grüße

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

E-Mail: forum@volksfreund.de