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Forum: Das Gelächter der Hyäne

Forum : Das Gelächter der Hyäne

Jemanden im Netz zu lynchen ist einfacher, als einen positiven Hype auszulösen ...

Und die Hyäne lacht. Politiker, Parteien, Prominente profitieren von fingierter Zustimmung im Netz. Viele von ihnen nutzen bezahlte „Gefällt mir“-Angaben bei Facebook, Instagram, Goog­le und YouTube. Clickworker liefern die Likes gegen Cent-Beträge. Knapp 90 000 Fanseiten in sozialen Netzwerken sind aufgeflogen. Manipulation.

Und die Hyäne lacht. Facebook sperrt Hunderte Konten, Seiten, Gruppen und Instagram-Profile, die für Donald Trump geworben und gegen die chinesische Regierung gehetzt haben. Propaganda.

Und die Hyäne lacht. Twitter stoppt eine saudische Kampagne mit rund 6000 Accounts und 32 Millionen Tweets. Desinformation.

Drei Medienmeldungen aus den vergangenen Tagen. Drei Meldungen über Medien. Über Manipulation. Über versteckte Propaganda. Über Desinformation.

Und die Hyäne lacht. Die Hyäne? Die Hyäne ist eine Figur aus der  Roman-Trilogie Das Leben des Vernon Subutex von Virginie Despentes. Die gefeierte Autorin entwirft ein gestochen scharfes Panorama der (französischen) Gesellschaft und seziert – zum Beispiel – die Macken der Digitalisierung. Die Hyäne war früher Privatdetektivin, jetzt ist sie spezialisiert auf Cyber-Mobbing:

„Auf Wunsch macht sie einen Künstler, einen Gesetzesentwurf, einen Film oder eine Elektroband zur Schnecke. Ganz allein zieht sie in vier Tagen wie eine ganze Armee gegen den Feind zu Felde. [...] In achtundvierzig Stunden verpestet sie das Netz. [...] Danach läuft es von selbst – die Journalisten lesen Twitter und die Kommentare und fühlen sich verpflichtet, auf den Schwachsinn einzugehen, den sie dort finden. Also egal, was sie schreibt, es setzt sich fest. […] Jemanden im Netz zu lynchen ist einfacher, als einen positiven Hype auszulösen – sie behauptet zwar, dass sie beides kann, aber die Zeichen stehen auf Brutalität. Nur wer zuschlägt, findet Gehör – und man braucht immer ein männliches Pseudonym, um jemanden zu dissen. Der einzige Klang, der die Schwachköpfe in den Hinterhöfen des Webs beruhigt, ist der des Knüppels […] Dann bittet man sie, einen Konkurrenten, Freund oder Gegner auseinanderzunehmen. Für zweihundert Euro bricht sie ihm virtuell ein Bein, für das Doppelte zerstört sie seine Webreputation, und wenn man genug Kohle einsetzt, kann sie ihrem Nächsten das Leben buchstäblich zur Hölle machen. Internet ist das Medium für anonyme Denunziation, Rauch ohne Feuer und Gerüchte, die sich verbreiten, ohne dass man versteht, woher sie kommen.“

Und die Hyäne lacht. Was ist Roman, was passiert im richtigen Leben? Hmm.

Bleiben Sie heiter, kommen Sie gut ins neue Jahr!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

E-Mail: forum@volksfreund.de