1. Meinung

Deutsche Sprache, schreckliche Sprache - sagt Mark Twain.

Forum : Huck, Benjamin und die Seuche

Lachen macht glücklich. Lachen macht sexy. Lachen ist die beste Medizin. Wirkt immer. Ganz besonders in diesen trüben Zeiten. Probieren Sie es mal aus.

Seltsam, dieser Gedankenblitz, so seltsam, dass ich anfange zu lachen, als ich darüber nachdenke, welches Teufelchen mich angestupst hat. Huch! Lachen über die todbringende Seuche? Ist das erlaubt? Und was, bitte schön, ist an der Pressemitteilung (PM) des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Nr. 164-3/20 über die Änderungsverordnung zur 9. Corona-Bekämpfungsverordnung (ÄVO Bordelle) so lustig? Und wieso fällt mir … Mark Twain ein?

Fragen über Fragen. Nein, der amerikanische Kultautor (1835-1910) hat nichts mit dem Virus zu tun, und die PM Nr. 164-3/20 reicht literarisch nicht an die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn heran, bei weitem nicht. Es ist wegen dieser, ähm, Würste – der länglichen Wörter in der
PM Nr. 164-3/20. Rein mit den Buchstaben, quetschen, pressen, immer mehr, bis die Pelle platzt.

Ach, diese „schreckliche deutsche Sprache“! Mark Twain hat sich 1880 in einem Essay darüber lustig gemacht, und dieses humoristisch-satirische Ding kam mir in den Sinn, als ich die Änderungsverordnung zur 9. Corona-Bekämpfungsverordnung (ÄVO Bordelle) studierte. „Manche deutschen Wörter sind so lang“, schreibt Twain, „dass man sie nur aus der Ferne ganz sehen kann.“ Und weiter: „Man betrachte die folgenden Beispiele: Freundschaftsbezeigungen, Dilettantenaufdringlichkeiten, Stadtverordnetenversammlungen. Dies sind keine Wörter, es sind Umzüge sämtlicher Buchstaben des Alphabets. Und sie kommen nicht etwa selten vor. Wo man auch immer eine deutsche Zeitung aufschlägt, kann man sie majestätisch über die Seite marschieren sehen – und wer die nötige Phantasie besitzt, sieht auch die Fahnen und hört die Musik. Sie geben selbst dem sanftesten Thema etwas schauererregend Martialisches. Ich interessiere mich sehr für diese Kuriositäten. Sooft mir ein gutes Exemplar begegnet, stopfe ich es aus für mein Museum. Auf diese Weise habe ich eine recht wertvolle Sammlung zusammengebracht. Wenn ich auf Duplikate stoße, tausche ich mit anderen Sammlern und erhöhe so die Mannigfaltigkeit meines Bestandes.“

Und so weiter. Ich finde das witzig. Und lache. Ist ja eh die beste Medizin, sagt ein anderer begnadeter Humorist – Benjamin Blümchen, der sprechende Elefant ...

Bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

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