1. Meinung

Die offenen Fragen nach der Amokfahrt in Trier.

Forum : Wir sind Trier – das macht Mut!

Es ist die eine Frage: Warum? Die Amokfahrt in Trier. Warum, frage ich mich, warum, fragen Sie sich, die Leserinnen und Leser des Volksfreunds. Es gibt keine Antwort auf diese Frage, nicht jetzt, vielleicht nie.

Als Journalist bin ich Tag für Tag mit Nachrichten (auch) über schreckliche Ereignisse konfrontiert, manchmal mit brutalen Informationen, mit entsetzlichen Bildern.

Weil es Tag für Tag passiert, weiß ich um den Irrsinn auf der Welt. Weil ich Tag für Tag davon erfahre, was Menschen Menschen antun.

Es gehört zum Job, (auch) mit schlimmen und schlimmsten Nachrichten professionell umzugehen, sie zu bewerten, sie einzuordnen, sie aufzubereiten.

Ich habe das viele Male erlebt. Wenn die ersten Informationen in der Redaktion eintreffen, wenn sie konkreter werden ...

Diesmal ist es anders. Wieder eine Wahnsinnstat. Wieder ein offensichtlich Gestörter. Wieder unfassbares Grauen. Aber nicht weit weg, sondern mitten unter uns.

Nicht spekulieren. Berichten, was ist, nicht was sein könnte. Das nervöse Gezappel aus dem Netz nicht ungeprüft zur Nachricht aufblasen. Zum Beispiel, was die Verschwörungsschwurbler munkeln, die behaupten, sie wüssten, was den Amokfahrer durchdrehen ließ. Oder die Hetzer mit ihren widerlichen Parolen. Keine Details, nicht hier. Ich biete den Spinnern, Besessenen, Verblendeten, Wirrköpfen kein Forum.

Wir zucken bei jedem neuen Anschlag, wir halten inne, wir fragen uns, was zu tun ist und ob das denn nie ein Ende nimmt. Nein, nimmt es wohl nicht.

„Jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn.“ (Friedrich Schiller)

Das Böse jagt uns Angst ein, wir wollen so viel wie möglich darüber in Erfahrung bringen (um uns selbst schützen zu können); je mehr wir wissen, desto mehr gruseln wir uns: Kann es mich treffen? Die Antwort: Ja. Jederzeit. Überall. Es geschieht, wieder und wieder.

Das Tröstliche: Die Trierer stehen zusammen. Still. Empathisch. Sie verarbeiten den Schock gemeinsam. Diese Solidarität macht Mut.

Wir trauern um die Toten. Wir hoffen, dass die Verletzten gesund werden. Wir leiden mit den Familien der Opfer. Wir sind Trier.

Nachdenkliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

E-Mail: forum@volksfreund.de