1. Meinung

Forum: Erwischt – danke, Kommissar Zufall!

Forum : Erwischt – danke, Kommissar Zufall!

Immer das gleiche Muster: ein Briefumschlag, darin Schnipsel aus der Zeitung, pedantisch aufgeklebt auf ein Din-A4-Blatt, dazu einige mit Kugelschreiber hingesaute freche Zeilen, anonyme Schmierereien, Absender unbekannt – bis jetzt.

Caramba! Auf frischer Tat ertappt. Das Rätsel ist gelöst, der Unhold hat sich selbst verraten, seine Tarnung ist aufgeflogen. Nach all den Jahren habe ich nicht mehr damit gerechnet.

Der Reihe nach.

Journalisten arbeiten wie Detektive. Was immer sich ereignet – es wirft Fragen auf. Wer, was, wann, wo, wie, warum. Informationen sammeln. Fragen. Bewerten. Nachfragen. Recherchieren. Hinterfragen. Prüfen. Nachhaken. Ermitteln. Untersuchen. Interpretieren. Enthüllen. Und wenn es sein muss, noch mal von vorn. So lange, bis eine Nachricht, bis eine Geschichte daraus geworden ist, oder auch nicht.

Mancher Fall lässt sich aufklären, mancher Fall zieht sich endlos, mancher Fall verläuft im Sande.

Es ist ein bisschen wie bei Sherlock Holmes, Philip Marlowe, Hercule Poirot, Miss Marple, James Bond und Moneypenny …

Und wenn du denkst, es geht nichts mehr, hilft vielleicht, vielleicht der Zufall.

So wie diesmal: Wer verbirgt sich hinter dem Kürzel H.M.? Dieser seltsame Unbekannte, der seit Jahren anonym Pamphlete an die Redaktion schickt – und an Leserbriefschreiber, über die er immer wieder wüste Beschimpfungen und Beleidigungen auskübelt. Nervig. Ärgerlich. Mysteriös.

Immer das gleiche Muster: ein Briefumschlag, darin Schnipsel aus der Zeitung, pedantisch aufgeklebt auf ein Din-A4-Blatt, dazu einige mit Kugelschreiber hingesaute freche Zeilen, gezeichnet mit H.M., adressiert an die Redaktion oder direkt an die Leserbriefschreiber.

Die Beweisstücke liegen zuhauf in meiner Asservatenkammer.

Ich habe dem anonymen Krakeeler zwei Kolumnen gewidmet („Warum H.M. nervt“, TV vom 26. September 2015 und „Herrlich herrschaftsfrei“, TV vom 29. Juni 2013) und versucht zu erklären, was solche Typen umtreibt. Er ist ja nicht der einzige, aber einer der hart­näckigsten.

Jetzt ist es vorbei mit seiner anonymen Pöbelei. Weil er zeitgleich zwei Schreiben an die Redaktion gesendet hat, eins als H.M., eins unter seinem richtigen Namen. Die Handschrift: identisch. Das „H“ bei Honecker, das „M“ bei Marx und einige andere markante Buchstabenkringel offenbaren, wer dahintersteckt.

Fall gelöst. Ob J.R. aus W. alias H.M. jetzt aufhört, die Leute zu belästigen? Schau’n mer mal.

Bleiben Sie munter!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

E-Mail: forum@volksfreund.de