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Katholische Kirche: Aber bitte, wer soll es denn machen?!

Katholische Kirche : Aber bitte, wer soll es denn machen?!

Zur Berichterstattung über die Corona-Regeln des Bistums Trier schreibt Herbert Kohns:

Mit Verwunderung, aber mit mehr Bestürzung habe ich die Verlautbarung des Bistums Trier vom 15. Dezember hinsichtlich der Verordnungen während des Lockdowns gelesen. Danach sollen die Gottesdienste unter Beachtung der verordneten Vorkehrungen stattfinden dürfen. Grundtenor: Es bleibt „bei Kirchens“ alles beim Alten, auch wenn das öffentliche Leben heruntergefahren wird.

 Einzelhandel und Gastronomie haben große Anstrengungen unternommen, Schutzkonzepte zu entwickeln und umzusetzen und dafür sehr viel Geld angepackt. Es hilft aber nichts, denn gemäß Verordnung der Landesregierung mussten sie schließen. Der wirtschaftliche Schaden bleibt bei den Unternehmen oder besser gesagt, bei den Kleinunternehmen hängen, die teilweise ohnehin schon nicht mehr wissen, wie sie die Corona-Krise überwinden können.

Und was macht unser Bistum? Sie machen weiter wie gehabt; alle Vorkehrungen, die groß hervorgehoben werden, gab es bereits vor dem Lockdown, wie Teilnehmererfassung, Abstandshaltung, Abstellen der Warmluftheizung, Maskenpflicht während des Gottesdienstes und Gesangsverbot.

Von den Ehrenamtlichen der Pfarrei, die überwiegend auch noch zur Risikogruppe gehören, wird aber erwartet, dass man den vorgegebenen Empfangsdienst durchzieht und im Allgemeinen überwiegend Risikopersonen erfasst, denn das ist, von Weihnachten vielleicht mal abgesehen, die allgemeine Klientel der heutigen Gottesdienstbesucher.

Natürlich sollen nach Vorgabe des Bistums Risikopersonen keinen Empfangsdienst machen, aber bitte, wer soll es denn machen? Glaubt das Bistum wirklich, die Pfarreien schöpfen aus einem unendlichen Pool von Ehrenamtlichen – und dazu noch risikofreien Ehrenamtlichen, die diese Aufgaben erfüllen? Weit gefehlt. Ich kann den Verantwortlichen des Bistums nur empfehlen, sich mal von den Verhältnissen hinsichtlich von Ehrenamt in den Pfarreien zu überzeugen.

Papier ist geduldig und die weiße Weste der Verantwortung muss auch fleckenlos bleiben; daher schreibt man besser mal Verordnungen zwecks Delegation an die Schuldigen, falls etwas passiert.

Dieser Lockdown schafft viel wirtschaftliches und existenzielles Unheil, und ich hätte erwartet, dass das Bistum hier einen gehörigen Anteil an Solidarität zeigt und die Gottesdienste zumindest bis zum 10. Januar aussetzt. Ich möchte nicht an die Zeiten erinnern, an denen die Gottesdienste nicht oder nur eingeschränkt gefeiert werden konnten. Die Generation hat es – Gott sei Dank – überlebt und ist überwiegend in langer Gefolgschaft des katholischen Glaubens geblieben.

Herbert Kohns, Trier