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Arbeitsmarkt Deutschland-Luxemburg: Abgesaugt, ausgesaugt, leergesaugt

Arbeitsmarkt Deutschland-Luxemburg : Abgesaugt, ausgesaugt, leergesaugt

Zum Artikel „Handwerk klagt: Volle Auftragsbücher – unsichere Zukunft“ (TV vom 26./27. September) schreibt Klaus Fischbach:

Betrachten wir den Beitrag einmal von der anderen Binnenmarktseite der Sauer oder Mosel, aus deutscher Unternehmer-/Handwerkersicht. Ohne Zweifel gibt es seit der Nachkriegszeit im wirtschaftlichen Austausch zwischen Luxemburg und Deutschland eine sehr große Verzahnung gegenseitiger wirtschaftlicher Interessen, die täglich positiv vorgelebt werden.

Nach dem Untergang der Stahlindustrie musste sich Luxemburg ein neues Geschäftsmodell einfallen lassen, was unter anderem als Zielrichtung einen Wettbewerbsvorteil vorsah, der so praktiziert bis heute für die umliegenden Länder nicht gestaltbar ist. Mit dem Schlüssel der konkurrenzlos geringen Lohnsteuer- und Sozialabgaben für Arbeitnehmer in Luxemburg hat man ein Instrument kreiert, einen derart ansaugenden Arbeitsmarkt geschaffen, dass die hier geschilderten Auswüchse zu Lasten der Entsendeländer – 24 000 Handwerker kommen aus Frankreich, 10 000 aus Belgien und 13 300 aus Deutschland – einen massiven Handwerker-Kahlschlag in den Heimatländern bewirkt.

Würden im Rahmen einer steuerlichen Harmonisierung annähernd gleiche – faire – Wettbewerbsbedingungen auf dem Arbeitsmarkt in Europa gelten, wäre das Wirtschaftswunder Luxemburg von heute auf morgen ernsthaft gefährdet. Es passt nicht zusammen, dass der höchste Wohlstand in ganz Europa maßgeblich durch das steuerliche System so zustande kommt, dass permanent ein Aussaugen der Nachbarn auf dem Arbeitsmarkt stattfindet. Wenn Luxemburg schon große Schwierigkeiten hat, ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte – Handwerker – zu bekommen, was sollen wir denn auf deutscher grenznaher Seite dazu sagen? Die Zeiten, dass wir überproportional hervorragend ausgebildet haben und Luxemburg einstellt, sind auch bei uns in Deutschland vorbei. (Das Thema Pflegekräfteabwanderung wurde in dem Artikel nicht erwähnt, weil es ja auch kein Handwerksberuf ist. Das hätte dann aber noch viel gravierendere Auswirkungen für Luxemburg bei einer Nivellierung der Wettbewerbsbedingungen.)

Ich könnte ein Buch darüber schreiben, was wir auf deutscher Seite hier in den letzten 20 bis 30 Jahren diesbezüglich an negativen Erfahrungen erlebt haben. Luxemburg hat die Grenzregionen wirklich dauerhaft nicht nur aus- sondern leergesaugt! Auch in Deutschland hängen Familien, Existenzen, Unternehmen an der Frage! Wir stehen in Europa auf einer schiefen Ebene!

Klaus Fischbach, Irrel