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Absurde Untätigkeit

Religion Joachim Sels Ralingen

Zur Berichterstattung über das Reformationsjubiläum (unter anderem TV vom 30./31. Oktober/1. November):
Die vielen Beiträge zum Reformationsjahr lassen erkennen, dass ein wirklicher Wille zur Ökumene zumindest bei unseren Kirchenfunktionären aller Konfessionen kaum erkennbar ist.
Dabei gäbe es unendlich viele "weltliche" Bereiche, in denen eine Zusammenlegung der Organisationen zumindest aller in Deutschland mengenmäßig relevanten christlichen Konfessionen unter rein theologischen Gesichtspunkten problemlos möglich wäre. Und das Reformationsjahr wäre doch der Anlass gewesen, die Annäherung zwischen den Konfessionen durch nachhaltige Taten voranzutreiben.
Als da wären: gemeinsamer Betrieb von Gemeindezentren (nicht nur aus der Not heraus), konfessionsgebundenen Schulungseinrichtungen, Spenden- und Wohltätigkeitsorganisationen (Brot für die Welt/Misereor und so weiter), Malteser Hilfsdienst und Johanniter Unfallhilfe, Krankenhausträgern, Kindergärten, Zentralkomitee der Katholiken und der entsprechenden Organisationen auf evangelischer Seite.
Aber das kostet Pöstchen und Ego. Stattdessen wird ständig an fundamentalen Glaubensunterschieden herumgemäkelt, auf deren Änderung zumindest die deutschen Katholiken bis hin zur Bischofskonferenz kurzfristig sowieso überhaupt keinen Einfluss haben. Es wurde und wird viel geredet, frei nach dem Sankt-Florians-Prinzip: "Verschon' mein Haus, zünd' and're an!"
Am liebsten verstecken sich unsere katholischen Funktionäre dabei hinter den von Rom angeblich aufgezwungenen Glaubensregeln, statt die oben beschriebenen naheliegenden Themenfelder endlich konsequent anzugehen und abzuarbeiten - und stehen dabei ihren Pendants auf evangelischer Seite in Untätigkeit in nichts nach. Besonders absurd auch die Separierung von unmittelbar aufeinanderfolgenden Feiertagen, Beispiel Reformationstag und Allerheiligen.
Ich kann mir jedenfalls kaum vorstellen, dass der liebe Gott oder auch der Papst etwas dagegen hätten, wenn man den Reformationstag zeitgleich mit dem katholischen Allerheiligenfest stattfinden lassen würde.
Zumindest sprechen keine theologischen Gründe gegen eine solche Zusammenlegung.
Joachim Sels
Ralingen