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Leserbriefe
Abwartende Resignation, donnernder Aufstand

Zum Artikel „Trierer Bistumskritiker lassen nicht locker“ (TV vom 6. Juni) schreiben Anita Adams und Peter Bollig:

Mit großem Interesse und voller Hoffnung auf ein Einlenken des Bistums habe ich bisher die Aktivitäten der Interessengemeinschaft „Kirche vor Ort“ verfolgt, aber mit Besorgnis habe ich den aktuellen Artikel gelesen.

Wenn Bistumssprecherin Judith Rupp sich auf das „Synodenabschlussdokument, das die Grundlage für die bereits getroffenen Entscheidungen ist“, beruft, so klingt das für mich eher nach einer Machtdemonstration als nach einer „Neuausrichtung des kirchlichen Lebens“.

Die Bistumsleitung sitzt in Trier –  weit, weit weg von all den kleinen Kirchengemeinden, über deren Wohl und Wehe und über deren Eigentum sie entscheidet. Interessiert es die Verantwortlichen überhaupt, was die Katholiken in den Dörfern über die Bistumsreform denken? Eine 85-jährige Pfarrangehörige sagte mir neulich: „Die Kirche schafft sich ab!“

Der demografische Wandel belastet uns im ländlichen Raum schon genug – muss da ausgerechnet die Kirche zum Totengräber der bisher noch vorhandenen Aktivitäten in den kleinen Pfarreien werden?

Frau Rupp führt an, dass von den 80 000 Ehrenamtlichen noch keiner signalisiert habe, „dass er mit der Neugründung der Pfarrei den Dienst aufgeben wolle“. Als ich diesen Satz zitierte, sagte eine Lektorin mir: „Wie soll das alles gehen? Mit uns redet ja keiner.“

Natürlich kündigt jetzt niemand großartig an, dass er sein Ehrenamt aufgeben wird. Dieser Prozess wird sich schleichend vollziehen. Was bleibt, ist abwartende Resignation.

Anita Adams, Kirchweiler

Es ist schon seltsam: Als in verschiedenen Etappen die Bereiche für die Seelsorge in immer größere umstrukturiert wurden, gab es ein gewisses Grummeln. Wenn es jetzt um eine Umstrukturierung des Vermögens geht, gibt es einen donnernden Aufstand. Offenkundige Probleme in der Seelsorge, der Menschensorge: Achselzucken. Hypothetische Probleme mit dem Vermögen (mit der Macht?): Aufschrei.

Dazu fallen mir drei kurze Zitate und eine kleine Geschichte ein, die ich zum Bedenken gerne weitergebe:

1. „Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Jesus Christus in Mt 6,33).

2. „In der Kirche geht es um Gott und um sein Reich, und deshalb um die Menschen – um jeden einzelnen Menschen genauso wie um die Einheit der ganzen Menschheitsfamilie.“ (Abschlussdokument der Synode, Nr. 1).

3. „Rebbe, ich verstehe das nicht: Kommt man zu einem Armen – der ist freundlich und hilft, wo er kann. Kommt man aber zu einem Reichen – der sieht einen nicht mal. Was ist das bloß mit dem Geld?“ Da sagt der Rabbi: „Tritt ans Fenster! Was siehst du?“ „Ich sehe eine Frau mit ihrem Kind. Und einen Wagen, der zum Markt fährt.“ „Gut. Und jetzt tritt vor den Spiegel. Was siehst du?“ „Nu, Rebbe, was wird‘ ich sehen? Mich selber.“ „Nun siehst du: Das Fenster ist aus Glas gemacht, und der Spiegel ist aus Glas gemacht. Man braucht bloß ein bisschen Silber dahinter zu legen, schon sieht man nur noch sich selbst.“ (Willi Hoffsümmer in: 255 Kurzgeschichten)

4. „Wenn sie von der Zukunft redeten, dann redeten sie von einer möglichst reibungslosen Verlängerung der Gegenwart, aber nicht von der Zukunft.“ (Robert Menasse in: Die Hauptstadt).

Ist es eigentlich möglich, die vielen zukunftsweisenden Inhalte der Synode übersehen zu haben, wenn man das Abschlussdokument vorurteilsfrei und ganz gelesen hat?

Peter Bollig, Kooperator, Bettingen