Gesellschaft : Ätzend

Zum Artikel „Benimm dich!“ (TV vom 2. Dezember) schreibt Josef Käser:

„Essen ist so anstrengend geworden“, stöhnt ein Achtjähriger. Na klar, wenn er versucht, mit Gabel und Löffel Spaghetti zu essen. Aber das sollte nicht das Problem sein, das können viele „Erwachsene“ auch nicht. Wenn ich nur sehe, wie manche von denen ein Restaurant oder eine Gaststätte betreten, frage ich mich: Wo ist die Erziehung, wo sind die Manieren geblieben (sofern welche vorhanden waren)?

Die Hände in den Taschen vergraben, Mützen oder Kappen auf dem Kopf, spazieren sie schlurfend herein. „Hi“ oder „Hallo“ statt „Guten Tag“ oder „Guten Abend“. Sie werfen Jacken und Mäntel auf die Bänke, ignorieren die Garderobe geflissentlich. Sie nehmen irgendwo Platz, ohne den Wirt oder das Personal zu fragen, wo das geht.

Beim Einnehmen des Essens sträuben sich einem die Haare. Messer und Gabel werden wie Werkzeuge benutzt, die für Montagearbeiten auf dem Bau vorgesehen sind. Dass es Tischmanieren gibt, ist vielen nicht bekannt oder egal. Über die Zusammenstellung von Essen und Getränken will ich gar nicht reden. Essen mit den Fingern soll auch wieder „in“ sein. Und die Lautstärke der Unterhaltungen ...

Dies alles wird von „Erwachsenen“ vorgelebt – wie sollen es die Kinder anders machen? Es ist ätzend, so etwas zu sehen. Wir Erwachsene sollten uns bemühen, den Kindern ein gutes Beispiel zu geben und nicht Unsitten und unmögliches Benehmen noch vorleben.

Josef Käser, Daun