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Religion: Alle Menschen sind gleich, ohne Ausnahme

Religion : Alle Menschen sind gleich, ohne Ausnahme

Zu den Leserbriefen „Nutzt die Zeit, um nachzudenken!“ (Ernst Marx) und „Ein Fundamentalist namens Jesus“ (Dr. Heinz-Werner Kubitza, beide TV vom 2./3. Mai) sowie „Umkehren, aber nicht so!“ (Peter Trauden, TV vom 6. Mai) und „Beschränkt“ (Andreas Wolfram, TV vom 9./10. Mai) schreiben Wolfram Bauer, Marco Wilbois und Friedrich Gasper:

Im Gegensatz zur Kritik von Andreas Wolfram fand ich den Beitrag von Ernst Marx deshalb aufschlussreich, da die Redaktion bewusst den Beitrag von Dr. Heinz-Werner Kubitza als klar erkennbare Antipode veröffentlicht hat.

Wie jeder weiß, basiert die europäische Kultur auf dem Christentum; in Deutschland gibt es eine christliche Partei, unter deren Prämisse bis dato Politik betrieben wird.

Ernst Marx als fundamentaler Christ verdeutlicht doch nur, auf welcher Basis das Christentum zu betrachten ist, da unterscheidet sich die Gemeinde Christi kaum von den Zeugen Jehovas, die sich stringent an die Aussagen der Bibel halten. Dabei stellt sich die Frage: Was ist für das Christentum der praktizierenden Kirche anders, wenn die Bibel als theologische Grundlage dient und somit bindend ist? Ambivalent und aufschlussreich wird es immer dann, wenn man solch einen Fundamentalismus empirisch untersucht, so wie es Dr. Kubitza in seinem Beitrag dargestellt und verdeutlicht hat.

Insofern stellt sich für jeden Menschen und die ganzen Gesellschaft die Frage, an was wir uns orientieren sollen. Kann man an eine Jungfrauengeburt glauben, durch die allein schon die christliche Weihnachtsgeschichte suspekt wird? Noch eklatanter die Frage, ob ich an Jesus als Mensch, der nie eine neue Religion gründen wollte, oder an den Sohn Gottes glaube, der als Türsteher zu Gottes Gnaden fungieren soll. Es stellt sich prinzipiell die Frage, was das herkömmliche Christentum von der Gemeinde Christi eigentlich unterscheiden soll. In den Grundfragen nichts (siehe Dogma)

Generell müssen religiöse Debatten auch öffentlich erlaubt sein, da politische Auseinandersetzungen und Entscheidungen in unserer Demokratie ebenso unter der Prämisse des Christentums verhandelt und entschieden werden. Konfliktstoffe reichen bis in den Vatikan, inklusive Kindesmissbrauch und Sterbehilfe.

Daher würde ich den Volksfreund ermutigen, weiterhin unabhängig zu berichten. Entscheiden soll der Leser, weniger die Redaktion oder sonstige Institutionen.

Das Grundgesetz beinhaltet ausdrücklich die Glaubensfreiheit. Als persönliche Maxime kann aber gelten, dass Glaube der Vernunft nicht widersprechen darf. Und so dehnte sich der Glaubensbegriff entsprechend aus (bis hin zur Einsteins kosmischer Religiosität.)

Heiner Geißler, der den Konflikt zunehmend erkannte, suchte in seinen letzten Büchern einen Kompromiss in der Frage, ob es einen Gott gibt und ob man persönlich an ihn glaubt: „Da die Existenz Gottes der Vernunft nicht widerspricht, die Vernunft aber nicht alles erfasst, was existiert, bleibt Raum für die Religionen und für den Glauben an Gott“. Interessant sein Glaubensfazit in einem Interview kurz vor seinem Tod: „Der Gott, den uns die katholische und evangelische Theologie vorstellt, der kann es auf gar keinen Fall sein.“

Wolfram Bauer, Nittel

Zunächst einmal gebührt dem TV ein großes Lob, dass über die Leserbriefe noch ein jeder Mensch seine freie Meinung äußern darf; dies ist in der aktuellen Situation nämlich nicht mehr flächendeckend zu beobachten. Einige der genannten Leserbriefschreiber äußern sich in ihren Briefen kritisch gegenüber dem biblischen Glauben.

Wie sagten aber schon die zwei Herren bei Loriot? „Dies ist Ihre ganz persönliche Meinung.“ Und ein jeder bildet sich seine Meinung nach seinem aktuellen Wissensstand. Wenn er sein Wissen erweitert, Dinge wieder hinterfragt und auch selbst prüft, ändert sich diese Meinung in der Regel und er betrachtet die ganze Sache von einer höheren Ebene aus. Das stellte übrigens schon Albert Einstein fest (oder man liest in Jesaja, Kapitel 55,8, wie Gott das sieht). Ich kann dies nur bestätigen.

Lange Zeit habe ich mich mit dem Thema Evolutionstheorie und mit der Bibel beschäftigt. Für den Wahrheitsgehalt der Bibel gibt es viele Beweise, vor allem eingetretene Prophetie.

Die Evolutionslehre ist jedoch, wie so vieles, wissenschaftlicher Konsens, will heißen, man hat sich „darauf geeinigt“, bewiesen ist es damit aber nicht.

Die Physik entdeckt nämlich immer neue Aspekte, die eher auf einen Schöpfungsakt hindeuten; dies steht auch nicht im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Wir lesen in der Bibel, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen wurde, so dass alles, was man sieht, nicht aus Sichtbarem entstanden ist (Hebräer 11,3). Denn er sprach, und es geschah; er gebot, und es stand da (Psalm 33,8-9). Das meiste im Universum, so die Physik, ist unsichtbar und nur wenige Prozent sichtbare Materie.

Was wissen wir Menschen also schon über die Entstehung der Welt? Wo sind denn die Millionen von Jahren hin, wenn zum Teil ganze Erdschichten fehlen? Und haben die Autoren sich überhaupt schon mal mit der Bibel befasst? Nach meinen Erfahrungen bin ich hier eindeutig pro Herr Marx, der immer wieder mit guten Leserbriefen für den Glauben einsteht. Ich gebe bei der Meinungsbildung zu bedenken: „Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt. Wenn es aber doch einen Gott gibt, haben viele ein Problem.“

Im Neuen Testament ist nicht umsonst zu lesen, wie es ausschaut, wenn Jesus wiederkommt. Wird er noch Glauben finden auf Erden (Lukas 18,8)? Wird es nicht so sein wie in den Tagen Noahs (Matthäus 24,37-39), als sie alle aßen und tranken und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin?

Wir sind für unsere Meinungsbildung und unser Leben selbst verantwortlich, und wenn es einen Gott gibt, wovon ich überzeugt bin, haben wir uns einmal alle vor ihm zu verantworten. Für mich gehören daher auch weiterhin Leserbriefe zum Thema Glaube in den TV.

Marco Wilbois, Paschel

Der Leserbrief von Andreas Wolfram unter der Überschrift „Beschränkt“ hat mich geärgert, seine Kritik ist nicht gerechtfertigt.

Meine Meinung zu diesem Thema: Ernst Marx hatte einen Leserbrief geschrieben, der seiner religiösen Überzeugung entspricht. Ich teile die Auffassung von Herrn Marx nicht, denke aber, dass er trotzdem, wie jeder andere auch, das Recht hat, seine Meinung darzustellen.

Herr Wolfram will ihm dieses Recht absprechen. Wieso? Ist er dazu berufen, die Meinung anderer zu zensieren?

Wer frei seine Meinung äußern will, muss dieses Recht auch jedem anderen zugestehen. Alle Menschen sind gleich, ohne Ausnahme.

Friedrich Gasper, Bitburg