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Unglück: Alle stehen zusammen. Keiner ist allein.

Unglück : Alle stehen zusammen. Keiner ist allein.

Zur Berichterstattung über die Amokfahrt in Trier schreiben Werner Stadtfeld, Peter Schabowski, Thorsten Kretzer, Ossi Steinmetz und Rita Ames:

Ich bin nicht Augenzeuge des unfassbaren Geschehens gewesen. Aber es macht für mich einen großen Unterschied, ob sich eine solche Tragödie in einer fremden Stadt ereignet oder „vor der Haustür“. In Trier kenne ich jeden Meter der Amokfahrt, und an vielen Tagen habe ich in den betroffenen Straßen unbeschwerte Stunden verbracht.

Das Geschehene ist nicht mehr zu ändern – aber wie Trier damit umgegangen ist, verdient Hochachtung. In erster Linie sind die Helfer von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Krankenhäusern zu nennen, die in extrem kurzer Zeit alles Menschenmögliche getan haben. Auch den Politikern gebührt großer Respekt, allen voran Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der in den vergangenen Tagen Empathie gelebt hat. Seine Aussage: „Trier trauert, Trier leidet – aber Trier resigniert nicht!“ geht unter die Haut.

Die stillen Helden sind die Augenzeugen, die Erste Hilfe geleistet haben, bevor die Rettungskräfte eintrafen.

Dem Trierischen Volksfreund zolle ich Respekt für seine sachliche, mitfühlende und in keiner Weise reißerische Berichterstattung über die Ereignisse. Hierbei haben mich die Kommentare von Chefredakteur Thomas Roth besonders beeindruckt.

Zum Schluss noch ein Wort an alle „Besserwisser“, die jetzt mit dem Argument auftreten, mit Pollern oder vergleichbaren Absperrungen hätte man das Attentat verhindern können: Wer eine solche Tat begehen will, braucht dafür keine Innenstadt. In jedem Dorf oder auf jeder Landstraße könnte vergleichbares Unheil angerichtet werden. Es bleibt die Hoffnung, dass wir davon verschont bleiben.

Danke an die Menschen in Trier, wie sie sich während und auch in ihrer Trauer nach der Katastrophe verhalten haben.

Werner Stadtfeld, Manderscheid

Niemals hätte ich gedacht, dass in unserem beschaulichen Trier so eine abscheuliche Tat möglich wäre. In der Fußgängerzone wurden Menschen gezielt von einem Autofahrer gejagt, um sie zu töten. Zurück bleiben Tote und Schwerverletzte und viele verängstigte Menschen, die das Gesehene nie mehr vergessen werden. Zurück bleiben Familien, Angehörige, Freunde und eine ganze Stadt in tiefer Trauer und Fassungslosigkeit. Das viele Leid der betroffenen Menschen macht mich traurig.

Peter Schabowski, Trier-Ehrang

Trier ist nicht gerade dafür bekannt, eine pulsierende, laute Metropole zu sein. Aber der Tag nach dem Unfassbaren in unserer Stadt war ein stiller Tag, ein Tag des Zusammenhalts. Vielleicht war es nur meine eigene Wahrnehmung, vielleicht haben andere das anders erlebt, aber Trier hat innegehalten. Trier war nicht still im Sinne von lautlos, sondern Trier war geprägt von Trauer, Solidarität und Gemeinschaft.

Auf meinen Wegen durch die Stadt habe ich Kreuzungen gesehen, bei denen aufeinander acht gegeben wurde, wo Rücksichtnahme und Respekt vorherrschten. Egal welche Art von Verkehrsteilnehmer, niemand pochte auf sein Recht. Die Lichthupe für den Radfahrer, dass er einbiegen kann, der Radfahrer, der absteigt, wo es geboten ist. Die Geschwindigkeiten in den Straßen schienen mir langsamer zu sein; keine Rallyefahrer in der Stadt.

Aber es gab auch die Momente, die mir deutlich zeigten, warum Trier heute so anders war als sonst, als die junge Frau mit ihrem Baby an mir vorbei joggt und mir die Tränen in die Augen schossen, weil ich an das jüngste Opfer dieses Wahnsinns denken musste. Oder der abendliche Gang nach Hause durch die Fußgängerzone, in der ein solidarisches Lichtermeer von den Schrecken des vergangenen Tags zeugt. Menschen hielten spontan inne und gedachten der Opfer. Menschen brachten Kerzen, Blumen, Stofftiere und gute Wünsche geschrieben auf Papier mit. Und als Hilfe hatte ich nur meine eigene Trauer, Betroffenheit und mein Mitgefühl für die Opfer. Bei meinen restlichen Metern nach Hause dachte ich: Das ist nicht genug! Ich weiß nicht, ob das stimmt oder nicht, aber ich weiß, dass wir als Gemeinschaft zusammenhalten müssen, wie wir es schon früher getan haben. Trier ist und bleibt lebenswert, offen, tolerant und bunt.

Thorsten Kretzer, Trier (Stadtratsmitglied Bündnis90/Die Grünen)

Die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen hatte mich von meiner Geburts- und Lieblingsstadt Trier mit ihren vielfältigen und immer wieder neuen Erscheinungsbildern, ihrem Flair als Geschäfts- und Einkaufsstadt, mit ihrer vorzüglichen Gastronomie, mit ihrer einmaligen und geschichtsträchtigen Vergangenheit, ihrer Tradition und dem Brauchtum, ihrer Kultur, ihrer Weltoffenheit und nicht zuletzt mit ihren wunderbaren Menschen entfernt.

Bei der Suche nach dem „Warum“ erreichte mich über die Medien die Schreckensnachricht „Amokfahrt durch die Innenstadt von Trier“, eine Stadt, die mir so viel bedeutet. Die Meldungen überschlugen sich. Es war die Rede von Toten und Schwerverletzten, von einem Bild des Grauens. Die sich überschlagenden Nachrichten mit weiteren Einzelheiten zum Tatgeschehen ließen mich nicht mehr los. Schon nach kurzer Zeit der Berichterstattung durfte ich den Oberbürgermeister der Stadt Trier, Wolfram Leibe, die Ministerpräsidentin Malu Dreyer, den Innenminister, Roger Lewentz, in Interviews erleben, wie sie ihr Innerstes, ihr Menschsein in vollem Umfang offenbarten, wie sie sichtlich gerührt und ergriffen von den Ereignissen ihren Gefühlen freien Lauf ließen.

Ich durfte Polizei, Feuerwehr und sonstige Hilfsdienste erleben, wie sie sich mit aller Kraft, mit letztem Einsatz um Tote und Verletzte, um Ermittlungs- und Sicherungsmaßnahmen kümmerten. Ja, ich konnte Menschen auf der Straße sehen, die spontan, in voller Verantwortung unter dem Aspekt der Mitmenschlichkeit einsprangen und Hilfe leisteten. Mein Bild von Trier mit seinen wunderbaren und hilfsbereiten Menschen hat mich nicht enttäuscht.

Um es mit den Worten von OB Wolfram Leibe zusammenzufassen: „Trier trauert, Trier leidet – Trier resigniert nicht.“ Danke an alle, die ihre Zuwendung, ihre Unterstützung, ihre Hilfsbereitschaft in so großartiger Weise umgesetzt haben.

Ossi Steinmetz, Bausendorf

Es ist und bleibt furchtbar, was in Trier passiert ist. Ob aber mehr Poller das Schlimme hätten verhindert können, sei dahingestellt. Wenn ein krankes Gehirn sich vornimmt, Schlimmes anzurichten, findet er/sie auch Mittel und Wege, dies zu tun. Beispiele gibt es leider zur Genüge. Man kann auch Falschfahrer auf der Autobahn nicht verhindern, die ebenfalls unsägliches Leid in Kauf nehmen. Es ist uns Menschen leider nicht möglich, alle Unglücke und Katastrophen zu verhindern.

Freuen wir uns trotzdem auf Weihnachten, auch wenn es dieses Jahr etwas anders sein wird als sonst.

Rita Ames, Zeltingen-Rachtig