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Kunst: Alles andere als traumhaft

Kunst : Alles andere als traumhaft

Zum Artikel „Unterwegs im Traumland der Kinder“ (TV vom 17. Dezember) über eine Ausstellung in Wittlich schreibt Tom-Aaron Hawk:

Au weia! Als ich den Artikel Ihrer Kulturkritikerin Eva-Maria Reuther gelesen habe, überfiel mich das „kalte Grausen“. Die Bilder der Koreanerin Jin-Sook Chun, die ich mir in Wittlich im „Kunstraum“ angeschaut habe, waren alles andere als traumhaft. Der Schnellmalweise entsprechend waren viele der eingefangenen Alltagsszenen ohne klare Konturen, eher verwischt und daher unscharf, wie es auch in Traumbildern oft ist. Zwar fliegen die Träume vorbei, für ein künstlerisches Traumbild sollte man sich allerdings mehr Zeit lassen. Mit stark verdünnten Farbpigmenten schaffen sich schnell große Farbflächen und „husch, husch“ wird beliebig was hingehaucht. Das eigene Unvermögen und der Mangel an Arbeitsqualität werden locker kaschiert, wer kann das schon beurteilen?

Die Motivwahl: Alltagsszenen mit Kind, im Leipziger Stil eines Neo Rauch, dem heutigen Maltrend angepasst, abgegriffen und verbraucht. Keine Spur von künstlerischem Esprit, geschweige denn von den Träumen der Kinder. Die erwähnten Blumenbilder habe ich von so manchen Hobbykünstlern schon besser gemalt gesehen. Mit anspruchsvoller Kunst hat diese Ausstellung gar nichts zu tun. Dem Kunstsammler und Aussteller kann man seiner Unbedarftheit wegen keinen Vorwurf machen. Der Artikel hingegen führt den Leser klar in die Irre, dieser erwartet Kunst und keinen Abklatsch davon. Der Beitrag  wird einer objektiven, professionellen Kunstbetrachtung in keiner Weise gerecht. Dass ein solcher Text als Aufmacher auf der Kulturseite erscheint, lässt mich schaudern. Hier werden Kunsthistorie, Kunstqualität und sorgfältige künstlerische Arbeit verwurstet.

Tom-Aaron Hawk, Osann-Monzel