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Bildung: Anstrengend wie Hochleistungssport

Bildung : Anstrengend wie Hochleistungssport

Zum Artikel „Fastnacht fällt aus, aber Schüler und Lehrer haben trotzdem frei“ (TV vom 8. Februar) schreibt Petra Pauli:

Die Diskussion und auch ein gewisser Unmut über die freien Tage an Karneval mag durchaus berechtigt sein, besonders wenn die Sorge um die Lern- und Unterrichtslandschaft unserer Schülerinnen und Schüler so groß ist wie nie zuvor. Vieles ist in Bewegung geraten, Home-Schooling entwickelt sich zum erweiterten Klassenzimmer. Dass das nicht einfach und mühelos geht, war doch sicher jedem klar, und ich bekomme täglich mit, wie die Lehrerteams eine Menge Aufwand, Einsatz und auch innovativen Idealismus an den Tag legen, um ihrer pädagogischen Arbeit nachzukommen.

Das kostet Kraft und verdient auch mal eine kleine Auszeit. Oder ist da etwa jemand, der glaubt, dass diese wenigen freien Tage – wenn denn (Fern-) Unterricht stattfände – unersetzlich sind? Und keiner ist ja daran gehindert, dennoch zu lernen und sich mit seinem Unterrichtsstoff zu beschäftigen, genau wie an den Karnevalstagen in anderen Jahren auch. Neben dem anstrengenden Home-Schooling, dass wirklich „Hochleistungssport“ im häuslichen Bereich ist, möchte ich aber auch einmal die sogenannte Notfallbetreuung als Angebot unserer Schulen erwähnen. Seit dem 4. Januar dieses Jahres gehöre ich zu den Betreuern in unserem Schulzentrum, die sich um die Schülerinnen und Schüler kümmern, denen das Lernen im Fernunterricht nicht möglich ist. Dabei ist es unser größtes Anliegen, diesen Kindern die gleichen Möglichkeiten zu bieten wie ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zu Hause. Sie erhalten bei uns das digitale Equipment und die fast noch wichtigere persönliche Hilfe bei ihren Arbeiten querbeet durch alle Unterrichtsfächer. Und da es von dem „sogenannten Oben“ kein konkretes Konzept zur Durchführung gibt (ich kenne jedenfalls keines), haben wir ein eigenes konstruiert: „Learning by doing“ nenne ich es einmal. Und in eigener Sache habe ich deshalb gerne von den freien Tagen Gebrauch gemacht, etwas verschnauft, um dann in der Zeit danach wieder in den Einsatz zu gehen. Und wie sagt man in Köln so treffend: „Man muss auch gönne könne!“

Petra Pauli, Schweich