Leserbriefe Arbeitskräftemangel hat eine banale Ursache

Berufsleben

Zu „Der Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu“ (TV vom 23. November) und zu anderen Artikeln aus diesem Themenkreis:

 

Mehr und mehr wird gewiss nicht nur mir deutlich, dass die Klagen über Arbeitskräftemangel und besonders Fachkräfte eine sehr, sehr banale Ursache haben. Wenn Arbeitnehmer und – mehr noch –  junge Menschen vor der Berufswahl feststellen müssen, dass sie sich von ihrer Hände Arbeit selbst kleine Wünsche – wer spricht denn von Träumen? – nicht erfüllen können, dann ist das alles andere als motivierend.

Egal, wie sie sich „reinhängen“, mehr als ein Hungerlohn springt aus meiner Sicht nicht raus. Ein Netto von 1500 Euro eröffnet keinerlei Perspektiven (das sind lächerliche 18 000 Euro im Jahr; nicht einmal genug für  zum Beispiel einen Opel Corsa); sich „hocharbeiten“ bedeutet, vielleicht irgendwann einmal 2000 Euro monatlich auf dem Konto zu haben. Armes Deutschland! Fach- und Pflegekräfte, und und und … Nennenswert bessere Gehälter gibt es bisher nur in Sonntagsreden.

Angeblich kann kein Unternehmer/Arbeitgeber mehr zahlen. Wertschätzung der Mitarbeiter und Würdigung guter Arbeit muss sich aber auch im Einkommen widerspiegeln. Es ist eine Frage des Wollens. Jedes Netto unter 2500 Euro für eine Vollzeitstelle ist eines reichen, modernen Landes wie Deutschland absolut unwürdig! Dem „Chef“ gestehe ich gerne das Drei-, auch noch das Fünffache einer Fachkraft zu; das Dreißig- oder Fünfzigfache zu scheffeln und „seine Leute“ auszubeuten, aber nicht.

Wer probiert es als Erster aus? Es ist höchste Zeit zum Umdenken. Bei 20 Euro Stundenlohn werden Unternehmer sich vor (qualifizierten) Bewerbern kaum retten können – und ihr Laden wird brummen.

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