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leserbriefe
Armselig und beschämend

Zur Berichterstattung über die Rentenpolitik der Bundesregierung, speziell zur Versorgung von Witwen, schreibt Hermann Düpre:

Witwenrente – wo bleibt die Emanzipation der Frau? Das ist doch völlig inakzeptabel!

Ägypten, 2500 vor Christus: Ist der Herrscher gestorben, werden dessen Frauen lebend in der Grabstätte beigesetzt, und die schönen Zeiten mit dem Mann sind beendet.

Deutschland, 2018 nach Christus:  Ist der Ehemann verstorben, wird dessen zuvor oft schon magere Rente für die Witwe nach drei Monaten um 45 Prozent gekürzt.

Hierdurch ist nicht wie in Ägypten das Leben der Witwe beendet, kippt aber in dürftige, beschränkte und oft unattraktive Lebensqualität ab.

Es entbehrt jeder Logik, weshalb eine Rentenminderung von 45 Prozent durch den Tod des Partners einfach so hingenommen wird. Ich frage mich:

1. Wird die Miete der Wohnung durch Wegfall einer Person ebenfalls um 45 Prozent gemindert?

2. Werden die Nebenkosten um 45 Prozent gemindert?

3. Werden Versicherungsbeiträge (Hausrat, Gebäude, Altersversorgung) gemindert?

Eben nicht! Die Witwe braucht ja zum Leben nicht mehr viel. Die Ansprüche auf Mobilität, Auto, Urlaub, Reisen, mal gut essen gehen, auch mal ein neues Kleidchen und so weiter verfallen ebenso wie die Ansprüche auf Weiterbildung und Kulturangebot.

Angeblich sind die Frauen emanzipiert. An der Emanzipation wird dann geknausert, wenn Geld ins Spiel kommt. Das ist armselig und beschämend.

Deutschland ist reich, sagt man. Wir haben Geld für Waffen, Migration, Wiederansiedlung von Wolf und Luchs in kostenintensiv angelegten Urwäldern.

Zur Erhaltung der Lebensqualität der Witwen scheint aber in Deutschland kein Geld zur Verfügung zu stehen.

Meine Damen! Warum lassen Sie sich das gefallen?

Hermann Düpre, Hermeskeil